Barauszahlung bei Auslandabreise

Beim Wegzug ins Ausland werden die Vorsorgegelder nicht am letzten Wohnort des Vorsorgenehmers, sondern am Sitz der Stiftung besteuert. Was gilt es zu beachten? Lorena Simeon – bei PensFree zuständig für die Abwicklung und Beratung von Barauszahlungen – beantwortet die 6 häufigsten Fragen.

 

1. Können die Vorsorgegelder bei einem Auslandwegzug auch in der Schweiz belassen werden oder muss eine Barauszahlung zwingend erfolgen?

Die Vorsorgegelder müssen nicht bezogen werden. Sie dürfen längstens bis zum 70. Altersjahr (Frauen 69. Altersjahr) in der Vorsorge belassen werden. Viele Kunden schätzen diesen sicheren Schweizer Hafen für ihre Altersvorsorge. Zusätzlich kommt noch der Steuervorteil dazu: keine Vermögens- und Einkommenssteuern, solange die Gelder bei einer Freizügigkeitsstiftung liegen.

 

2. Bei einem Wegzug in ein EU-Land vor dem Pensionierungsalter dürfen nur die überobligatorischen Vorsorgegelder als Barauszahlung bezogen werden. Ist das ein Vor- oder Nachteil bei der Besteuerung?

Die Freizügigkeitsstiftungen der PensExpert AG, PensFree und Independent, haben ihren Sitz beide im Kanton Schwyz, dem Kanton mit den schweizweit tiefsten Quellensteuersätzen. Dabei werden kleinere Vorsorgeguthaben weniger stark besteuert. So gesehen kann dieses Splitting sogar ein Vorteil sein.

 

3. Kann die Barauszahlung der Vorsorgegelder auch auf ein Privatkonto im Ausland erfolgen oder muss der Transfer auf ein Bankkonto in der Schweiz vorgenommen werden?

Gesetzlich ist ein Transfer auf ein ausländisches Bankkonto möglich. Wir empfehlen jedoch ganz klar die Überweisung auf ein Konto in der Schweiz. Die Vorteile: tiefere Bankgebühren und viel weniger Formalitäten.

 

4. Wann ist der frühest mögliche Auszahlungszeitpunkt?

Für die Organisation der Barauszahlung benötigen wir von der bisherigen Wohnsitzgemeinde eine Abmeldebestätigung inkl. Abreisedatum. Die Auszahlung der Vorsorgegelder kann frühestens einen Tag nach dem Wegzugsdatum erfolgen.

 

5. Welche Auswirkungen hat das neue Scheidungsrecht auf Barauszahlungen?

Bei verheirateten Personen (bzw. eingetragener Partnerschaft) müssen zwingend sämtliche Auszahlungsformulare (auch im Pensionierungsalter) vom Ehepartner mitunterzeichnet werden. Aus Gründen der Sorgfaltspflicht verlangen heute alle Stiftungen beglaubigte Unterschriften.

 

6. Wie wird die Kapitalauszahlung im Ausland fiskalisch behandelt?

Die Besteuerung ist sehr unterschiedlich. Wir empfehlen immer, dieses Thema mit einem lokalen Steuerberater zu klären.

 

Neue QROPS-Lösung mit Grossbritannien gesucht

Blog_FPFür Schweizer Vorsorgeeinrichtungen war es bis vor kurzem möglich, sich bei der britischen Steuerbehörde (HMRC) als «Qualified Recognised Overseas Pension Schemes» (QROPS) registrieren zu lassen. Diese Registrierung erlaubte es, Vorsorgevermögen von britischen Pensionskassen steuerfrei entgegen zu nehmen. Per 6. April 2015 hat Grossbritannien die Bestimmungen für den steuerfreien Transfer von Vorsorgegeldern geändert. Der QROPS-Status wurde daraufhin sämtlichen registrierten Schweizer Vorsorgeeinrichtungen entzogen. Auch zahlreiche australische und neuseeländische Pensionskassen sind davon tangiert. In einem Rundschreiben an die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen begründet HMRC diesen Entscheid damit, dass in der Schweiz die Möglichkeit besteht, Leistungen vor dem 55. Altersjahr zu beziehen. Die britische Steuerbehörde bezieht sich damit auf den nach Schweizer Vorsorgerecht erlaubten Bezug für den Erwerb von selbstbewohntem Wohneigentum. Das britische Recht verbietet jedoch seit dem 6. April 2015 Auszahlungen vor dem 55. Altersjahr. Von diesen Änderungen ist auch PensExpert mit ihrer Freizügigkeitsstiftung Independent betroffen. PensExpert steht in Kontakt mit der britischen Steuerbehörde und versucht, im Dialog mit Her Majesty’s Revenue and Customs (HMRC) mögliche Lösungen zu evaluieren.

Stiftungssitz Schwyz ist und bleibt interessant

Der Nationalrat wollte, dass das ausbezahlte Freizügigkeitsguthaben neu am Ort des letzten Schweizer Wohnsitzes statt wie heute am Sitz der Stiftung besteuert werden soll. Das wurde verhindert: Der Ständerat will an der Art und Weise, wie Freizügigkeitsguthaben von Auswanderern beim Bezug besteuert werden, nichts ändern. Er hat die entsprechende parlamentarische Initiative aus dem Nationalrat abgelehnt. Der Vorstoss ist damit vom Tisch. Damit dürfte bei diesem Thema für längere Zeit Ruhe und somit Planungssicherheit eingekehrt sein. Für Auswanderer, die ihre Vorsorgegelder beziehen wollen, bleibt der Stiftungssitz für die Besteuerung massgebend. Bei solchen Barauszahlungen kennt der Kanton Schwyz die schweizweit tiefste Quellensteuerbelastung (maximal 4,8 Prozent). Für PensFree und Independent Kunden mit Wohnsitz im Ausland oder Vorsorgenehmer mit Auswanderungsplänen besteht deshalb kein Handlungsbedarf.