Mehr Selbstverantwortung zur Sicherung des Lebensstandards

Andreas Blattner ist Niederlassungsleiter bei der PensExpert in Basel

Gemäss Bundesverfassung ist es seit 1985 Ziel, ab der ordentlichen Pensionierung (Alter 65/64) ein Renteneinkommen zusammen aus AHV und dem obligatorischen Teil der Pensionskasse von 60 Prozent des bisherigen Erwerbseinkommens zu erreichen, um den gewohnten Lebensstandard angemessen fortzuführen. Wie sieht es heute aus? Statt vier Prozent Verzinsung (1985-2002) auf dem obligatorischen Altersguthaben ist seit 2017 nur noch ein Prozent Zins garantiert, und statt mit 7,2 Prozent (1985-2004) wird das Kapital seit 2014 noch mit 6,8 Prozent in eine lebenslängliche Rente umgewandelt, mit einem weiteren geplanten Abbau bis auf sechs Prozent.

 

Kann das Leistungsziel in diesem Umfeld überhaupt noch gehalten werden? Alle Erwerbstätigen mit einem Lohn bis rund 85 000 Franken pro Jahr erreichen das Ziel von 60 Prozent wie bisher; doch bei Löhnen über dem Obligatorium von 85 000 Franken ist dies anders. Es gibt dort weder Zinsgarantie noch vorgegebene Umwandlungssätze. Mit einem Lohn von 100 000 Franken liegen wir noch bei einer Zielerreichung von 52 Prozent, von 150 000 bei 35 Prozent, von 200 000 bei 26 Prozent. Um auf das Rentenziel von 60 Prozent aus AHV und PK zu kommen, müssten bei einem Lohn von 100 000 Franken ab Alter 25 während 40 Jahren zusätzlich 1700 Franken angespart werden, bei 150 000 schon 5800 Franken, und bei 200 000 sind es bereits 10 000 Franken, jeweils pro Jahr. Sofern das Kapital während der 40 Beitragsjahre (Alter 25-65) mit einer höheren Durchschnittsrendite angelegt werden kann, so kann auf höhere Sparbeiträge verzichtet werden. Bei einem Lohn von 100 000 Franken sind zwei Prozent, bei 150 000 sind 2,75 Prozent und bei 200000 Franken sind bereits 3,1 Prozent pro Jahr erforderlich. Dieses Ziel lässt sich für versicherte Löhne insbesondere im überobligatorischen Bereich mit einer schwergewichtig sachwertorientierten Anlagestrategie (zum Beispiel Aktien, Immobilien) realisieren.

 

Was tun? Folgende Massnahmen stehen zur Verfügung und führen mit einer geschickten Kombination zum Leistungsziel von 60 Prozent:

  • Erstens, unbedingt auch auf Lohnanteilen höher als 85 000 Franken planmässig sparen, am besten auf dem ganzen AHV-Lohn (abzüglich Koordinationsabzug).
  • Zweitens, die vom Gesetz vorgesehenen prozentualen Altersgutschriften von sieben, zehn, 15 und 18 Prozent um mindestens zwei Prozent erhöhen.
  • Drittens, das persönliche Alterskapital für Lohnanteile höher 85 000 Franken unter Ausschöpfung der gesetzlich zulässigen Anlageinstrumente und abgestimmt auf Risikofähigkeit und Risikoneigung besser rentierend investieren.
  • Viertens, die Pensionskassenlösung zwecks Risikodiversifikation und wegfallender Quersubventionierung in eine Basis- und eine separate Kader-/Zusatzvorsorge aufteilen.
  • Fünftens, einen erfahrenen Pensionskassenspezialisten für die Konzeption und Plangestaltung einer massgeschneiderten, ganzheitlichen Vorsorgelösung beiziehen.

Freizügigkeitskonti mit attraktiven Renditen und Renten

Fabio Preite ist Co-Geschäftsführer der Independent Freizügigkeitsstiftung

Unternehmen mit Sozialkompetenz entlassen loyale ältere Arbeitnehmer, wenn überhaupt, nur in Verbindung mit einer grosszügigen Frühpensionierung. Denn wer ab 55 seine Stelle verliert, hat oft Mühe, eine neue Stelle zu finden. Ältere Entlassene haben zwar während gut zwei Jahren Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Die zweite Säule muss aber neu geregelt werden. Ohne Frühpensionierung wird das Pensionskassenkapital auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen. Damit verliert der Stellensuchende die Möglichkeit, sein Vorsorgekapital zu verrenten. Die Renten sind zurzeit recht attraktiv. Denn die Umwandlungssätze der Pensionskassen werden in der Schweiz politisch bestimmt und sind nach wie vor zu hoch.

 

PensExpert bzw. deren Freizügigkeitsstiftung Independent hat diese Probleme schon vor Jahren erkannt und attraktive Lösungen für diese und andere Fälle entwickelt. So ermöglicht Independent, das Freizügigkeitskapital in Anlagestrategien anzulegen, die höhere Renditen erbringen als die offizielle Verzinsung des Pensionskassenkapitals. Strategien, welche gemäss Anlagevorschriften des Berufsvorsorgegesetzes anlegen, erbrachten in den vergangenen zehn Jahren jährliche Durchschnittrenditen von 3,5 bis 4%. Im überaus erfreulichen Anlagejahr 2017 waren es sogar bis zu 10%.

 

Ab Alter 59 bei Frauen bzw. 60 bei Männern kann das Freizügigkeitsguthaben als Kapital bezogen werden. Dabei kann das bestehende Portfolio ohne Transaktionskosten ins Privatvermögen überführt werden. Da in der ungebundenen und freien Vorsorge keine restriktiven Anlagevorschriften gelten, kann eine Strategie verfolgt werden, die langfristig noch höhere Renditen abwirft. Per Saldo ist es möglich, das bezogene Kapital in Eigenregie oder mit Hilfe des Anlageberaters in eine Rendite umzuwandeln, welche den Vergleich mit einer Pensionskassenrente nicht zu scheuen braucht. Wer zum Zeitpunkt der Auszahlung an einem steuergünstigen Ort wohnt, spart zudem noch Steuern.

 

Wer auf ganz sicher gehen will, kann aber auch seit 2015 bei Independent den überobligatorischen Teil des Freizügigkeitsvermögen in eine Rente wandeln. Dabei liegt der Umwandlungssatz klar über demjenigen einer vergleichbaren Leibrenten- bzw. Lebensversicherungslösung. Diese Rente kann sehr flexibel und individuell ausgestaltet werden und von Frauen ab 59 und von Männern ab 60 bezogen werden. Sogar die Höhe der Ehepaar- bzw. Partnerrente kann bestimmt werden. Je nach gewünschten Leistungen entrichtet Independent einen Umwandlungssatz von 3,4 bis 5% für einen 65-jährigen Mann.

 

Dieser Umwandlungssatz ist absolut marktgerecht und kompetitiv. Umwandlungssätze über 5% sind wegen der tiefen Zinsen sowie der hohen Lebenserwartung zu hoch. Deshalb findet in der zweiten Säule immer noch eine immense Umverteilung zu Gunsten der Rentner und zu Lasten der aktiven Generation statt. Die Pensionskassen haben denn auch begonnen, ihre Umwandlungssätze zu senken. Gerade hat die PK der UBS kommuniziert, dass sie ihre Umwandlungssätze schrittweise auf 4.4% im Jahr 2026 senkt!

 

Mehr zum Rentenmodell von Independent unter https://www.independent-stiftung.ch/de/lebenslaengliche-altersrente/

 

 

Nein zur Rentenreform 2020 – gut für die Jungen aber schlecht für die AHV

Mit einem Gesamtpaket wollte Bundesrat Alain Berset die erste und die zweite Säule stabilisieren. Die Rentenreform 2020 war aber zu kompliziert und zu wenig transparent für die Bürger. Mit einem Nein an der Urne war deshalb zu rechnen. Für die Jungen ist das eine gute Nachricht. Denn sie und die nachfolgenden Generationen hätten die Kosten für die Reform tragen müssen. Trotz Ablehnung der Vorlage, das Volk wäre offen für dringend notwendige Reformen. Dabei hat die AHV sicher Priorität. Das Frauen AHV-Rentenalter muss in einer ersten Phase auf Alter 65 angehoben werden und langfristig ist eine generelle Erhöhung des AHV-Alters anzustreben. Mit dem gestrigen Nein bleibt auch der Umwandlungssatz im Obligatorium der 2. Säule weiterhin bei 6,8% und damit eindeutig zu hoch. Entsprechend wird die Mehrheit der Pensionskassen das überobligatorische Altersguthaben weiterhin als Quersubventionierungstopf einsetzen. Diese Umverteilung ist systemfremd und für die Versicherten nicht transparent. Aber dieser Umstand wird vermutlich noch länger Bestand halten; denn an der Urne hätte eine Umwandlungssatzreduktion kaum eine Chance.

Reform 2020: Was sich in der zweiten Säule ändert

Die AHV und die berufliche Vorsorge (BVG) sind nicht nachhaltig finanziert. Ohne Reform der beiden Säulen verschlechtert sich die finanzielle Schieflage weiter. Eine strukturelle Anpassung ist überfällig. Das Ziel der Altersreform 2020 ist letztlich, das Leistungsniveau im Zusammenspiel von AHV und BVG zu sichern. Es geht also um weit mehr als die zusätzlichen 70 Franken AHV-Rente für Neurentner pro Monat.

 

Auswirkungen bei der beruflichen Vorsorge

Auswirkungen bei der beruflichen Vorsorge

Indem der Koordinationsabzug sinkt, steigt der versicherte Lohn, auf welchem planmässige Sparbeiträge über 40 Jahre (von Alter 25 bis 65) für das Alter angespart werden (siehe Tabelle). In den 20 Jahren zwischen Alter 35 bis 54 werden die Sparbeiträge um jeweils einen Prozentpunkt erhöht, wodurch die kumulierten Sparbeiträge ab Alter 25 bis Alter 65 statt 500% neu 520% betragen. Daraus resultiert ein höheres Endaltersguthaben, mit dem die schrittweise Senkung des Umwandlungssatzes bis 2022 von 6.8% auf 6.0% aber nur teilweise aufgefangen werden kann. Insbesondere bei höheren Löhnen muss für die Altersvorsorge mehr ansparen, um das Leistungsniveau im Alter zu halten.

 

Die weiteren Kernelemente für die Entlastung der zweiten Säule sind:

  • Das Mindestalter für eine vorzeitige Pensionierung steigt von 58 auf 62 Jahre; dieses kann im Reglement der jeweiligen Vorsorgeeinrichtung auf minimal Alter 60 reduziert werden. Die flexiblen Bezugsmöglichkeiten beschränken sich somit grundsätzlich auf den Zeitraum zwischen Alter 62 bis 70.
  • Die Möglichkeit einer Teilpensionierung in drei Schritten wird neu im Gesetz der beruflichen Vorsorge (BVG) verankert. Dabei dürfen alle Teilbezüge der Altersleistung jeweils in Kapitalform erfolgen.
  • Selbständigerwerbende ohne eigenes Personal dürfen sich freiwillig nicht nur dem jeweiligen Berufsverband oder der Auffangeinrichtung anschliessen, sondern jeder Vorsorgeeinrichtung, welche dies in ihrem Reglement zulässt.
  • Die Rechtsprechung der vergangenen rund 20 Jahre fliesst in die BVG-Gesetzgebung ein und schafft damit Rechtssicherheit, was Rechtsfälle und Unsicherheiten teilweise abbaut.

 

Die vorliegende Reform ist ein Kompromisspaket und nicht der grosse Durchbruch. Weitere Reformen müssen auch nach einer allfälligen Annahme zügig angegangen werden. Nach der Reform 2020 ist vor der Reform 2030.

 

Die Reform Altersvorsorge 2020 und ihre Auswirkungen auf PensFlex

Das Parlament hat die Vorlage zur Reform Altersvorsorge 2020 angenommen. Am 24. September 2017 entscheidet das Volk. Neben den prominent diskutierten Themen wie der Heraufsetzung des Rentenalters für Frauen, der Senkung des Umwandlungssatzes oder der Erhöhung der AHV­Rente lohnt sich auch der Blick auf weitere Bestimmungen.

 

Mit der Vorlage Altersvorsorge 2020 (AV2020) sind der Bundesbeschluss über die Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und die übrigen Änderungen, welche als Referendum zur Abstimmung kommen, untrennbar verknüpft. Wird eine der beiden Vorlagen abgelehnt, ist die ganze AV2020 gescheitert.

 

 

Zeitplan nach der Abstimmung

Bei Annahme der AV2020 ergibt sich folgender Zeitplan:

  • Per 1. Januar 2018 tritt die Reform in Kraft, unter anderem mit der Erhöhung des Rentenalters der Frauen um drei Monate pro Jahr, welches ab 2021 schliesslich 65 Jahre beträgt.
  • Per 1. Januar 2019 treten im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge in Kraft:
    • die schrittweise Senkung des Umwandlungssatzes von 6,8 % auf 6,0 % bis 2022
    • die Reduktion und Flexibilisierung des Koordinationsabzuges
    • die Erhöhung der Altersgutschriften um 1 Prozentpunkt bei den 35- bis 54-jährigen Versicherten
  • Per 1. Januar 2019 erfolgt bei der AHV für alle neuen Renten ein Zuschlag von CHF 70 pro Monat auf die Einzelrente und die Erhöhung des Plafonds für die Ehepaarrente von 150 % auf 155 % der Einzelrente
  • 2021 erhöht sich die Mehrwertsteuer auf 8,3 %.
  • 2021 steigen die AHV-Beiträge um insgesamt 0,3 Prozentpunkte.

 

Auswirkungen der AV2020 für PensFlex Versicherte

 

Das Alter für eine vorzeitige Pensionierung wird erhöht.

Das Mindestalter für den Bezug von Altersleistungen steigt von 58 auf 62 Jahre. Die Vorsorgeeinrichtung kann ein tieferes Alter festlegen, das aber mindestens bei 60 liegt. PensFlex wird dies auf jeden Fall in ihr Vorsorgereglement aufnehmen. Für alle Personen, die am 31. Dezember 2017 bei PensFlex versichert sind, ist die vorzeitige Pensionierung im Alter 58 bis Ende 2022 weiterhin zulässig.

 

Die Teilpensionierung in drei Schritten wird ins Vorsorgerecht aufgenommen.

Eine Teilpensionierung ist in bis zu drei Schritten möglich, insbesondere auch dreimal in Kapitalform. Der vorzeitige Bezug muss dabei mindestens 20% der Altersleistung betragen. Damit wird die bisherige PensFlex Regelung der drei Schritte nicht nur auf Gesetzesstufe verankert, sondern auch flexibilisiert, beträgt doch gemäss dem PensFlex Vorsorgereglement die aktuell mindestens notwendige Lohnreduktion ein Drittel. Das Gesetz äussert sich dabei aber nicht zum Mindestabstand zwischen zwei Schritten.

 

Selbständigerwerbende erhalten neue Möglichkeiten.

Aktuell können sich Selbständigerwerbende freiwillig nur beim jeweiligen Berufsverband oder zusammen mit ihrem Personal bei einer Vorsorgeeinrichtung anschliessen. Neu wird die Möglichkeit geschaffen, dass sich Selbständigerwerbende freiwillig auch ohne Personal bei einer Vorsorgeeinrichtung anschliessen können. Dies bedingt eine entsprechende Bestimmung im jeweiligen Vorsorgereglement. PensFlex wird diese Anpassung vornehmen. Somit kann sich künftig jeder Selbständigerwerbende bei PensFlex alleine anschliessen, ohne Personal mitversichern oder eine juristische Person gründen zu müssen.

 

Fazit

Der minimalen Einschränkung bei der vorzeitigen Pensionierung stehen unter anderem neue Möglichkeiten für Selbständigerwerbende gegenüber. Es bleibt zu hoffen, dass die Spielräume durch den Verordnungstext oder die Aufsichtsbehörden nicht zu sehr eingeengt werden.