Attraktive Freizügigkeitslösungen bei Arbeitslosigkeit

Fabio Preite, Partner PensExpert AG

Wer vor dem Erreichen des 58. Altersjahres arbeitslos wird und aus der Pensionskasse (PK) ausscheidet, kann die obligatorische Vorsorge (AHV Lohnanteile bis CHF 84’600) bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG weiterführen. Alternativ kann das PK-Vermögen auch bei einer Freizügigkeitsstiftung parkiert werden. Dabei ist es ratsam, Stiftungen zu wählen, welche möglichst grosse Anlagefreiräume bieten, damit das Kapital effizient arbeiten kann. Dies kann sich vor allem für ältere Vorsorgenehmer lohnen, deren Chancen gering sind, eine neue Stelle zu finden. Sie können langfristig agieren. Und je langfristiger der Anlagehorizont ist, umso renditeträchtiger kann das Kapital angelegt werden. Der Anlagehorizont hört nicht zwingend mit dem Kapitalbezug auf, welcher spätestens im Alter 69/70 zu erfolgen hat.

Das Anlageportfolio kann bei Freizügigkeitsstiftungen mit freier Wahl der Anlagestrategie von einem autorisierten Vermögensverwalter im Rahmen des Berufsvorsorgegesetzes und in Abstimmung mit dem Privatvermögen verwaltet und beim Bezug ins private Bankdepot übertragen werden. Grundsätzlich können nur gut 50% des Kapitals in Aktien investiert werden, wobei je nach Anlagereglement auch höhere Quoten möglich sind. Ein hoher Aktienanteil hat sich in der Vergangenheit in den meisten Phasen bezahlt gemacht. So lieferten Strategiefonds in den vergangenen fünf Jahren Durchschnittrenditen von bis zu 7% pro Jahr. Damit wird ohne Kapitalverzehr der offizielle Umwandlungssatz auf dem obligatorischen Kapital von 6,8% übertroffen.

Gewisse Freizügigkeitsstiftungen offerieren zudem interessante weitere Optionen. So kann ein Teil des Freizügigkeitsvermögens mittels speziellen Anlageinstrumenten zur Eigenheimfinanzierung herangezogen werden. Bei grösseren Vermögen sind zudem Einzelanlagen möglich. Für überobligatorische Vorsorgegelder gibt es inzwischen erste Freizügigkeitsstiftungen, welche ab einem bestimmten Vermögen lebenslange Altersrenten verbunden mit einer optionalen Partnerrente ermöglichen.

Bei Personen, die zum Zeitpunkt der Auszahlung in der Schweiz wohnhaft sind, wird die Kapitalauszahlung zu einem reduzierten Steuersatz am Wohndomizil besteuert. Um eine mögliche Progression bei der Besteuerung weiter zu brechen und um die Flexibilität beim Bezug zu erhöhen, sollte das Freizügigkeitsvermögen auf zwei verschiedene Freizügigkeitseinrichtungen transferiert werden. So kann der Bezug gestaffelt über verschiedene Steuerjahre erfolgen. Bei einem Wohnortwechsel ins Ausland ist es wichtig, eine Stiftung mit Sitz an einem steuergünstigen Domizil zu wählen, denn bei der Auszahlung der Gelder kommt der Steuertarif am Stiftungsdomizil zur Anwendung. Je nach Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und dem neuen Wohnsitzland, kann die Quellensteuer zurückgefordert werden.

Um die Vorteile von Freizügigkeitskonti zu nutzen, müssen diese vom Inhaber proaktiv strukturiert und bewirtschaftet werden. Dies erfordert einige Grundkenntnisse und in komplexen Fällen eine professionelle Beratung. Denn in der Vorsorge bestehen, abgesehen von den anlagetechnischen Problemstellungen, etwelche Fallstricke in den Bereichen Steuer-, Erb- und Konkursrecht, die unbedingt vermieden werden sollten.

 

Versicherungsschutz – massgeschneidert

Jeremy Unterweter

Jeremy Unterweger ist Kundenberater bei der PensExpert AG in Zürich.

Seit einigen Jahren bietet die Freizügigkeitsstiftung Independent auch Versicherungsleistungen an. Je nach Lebenssituation können die Vorsorgenehmer dieses Angebot sinnvoll einsetzen – zu sehr attraktiven Prämien. Unser Vorsorgespezialist Jeremy Unterweger beantwortet die wichtigsten Fragen.

 

 

Individueller Versicherungsschutz in sämtlichen Lebenslagen: Wie sieht das bei einer längeren Sabbatical Abwesenheit aus? Genügt da nicht der Abschluss einer UVG Abredeversicherung?

Bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses sieht die berufliche Vorsorge nur eine gesetzliche Nachdeckungsfrist von einem Monat vor. Der Abschluss einer Abredeversicherung für maximal 180 Tage ist daher sicherlich empfehlenswert. Im Unterschied zur Abredeversicherung, welche nur Leistungen bei Unfall erbringt, bietet die Independent Versicherungslösung einen sogenannten Mischtarif an. Dieser deckt immer sowohl das Risiko Krankheit als auch das Risiko Unfall ab.

 

Gilt der Versicherungsschutz bei einem Sabbatical weltweit? Und wie sieht es beim Wohnsitz respektive Arbeitsort im Ausland aus?

Ja, bei einem Sabbatical ist die weltweite Versicherungsdeckung gegeben. Auch bei einem definitiven Wohnsitz respektive Arbeitsort im Ausland kann der Vorsorgenehmer von unserem Angebot profitieren. Voraussetzung: Vor der Abreise ins Ausland muss der Vorsorgenehmer für mindestens drei Jahre ununterbrochen bei der AHV/IV versichert gewesen sein.

 

Wie erfolgt die Finanzierung der Risikoprämien? Und wieso sind die Risikoprämien in der Regel tiefer als bei einer Lebensversicherung?

Die Risikoprämie kann dem Vorsorgenehmer oder dem Arbeitgeber in Rechnung gestellt werden. Als dritte Option kann die Prämienfinanzierung über die Belastung des Vorsorgevermögens erfolgen. Im Gegensatz zu den Lebensversicherern, welche mit einem Einzeltarif kalkulieren, offerieren wir einen Kollektivtarif. Unsere Kunden profitieren so von sehr attraktiven Risikoprämien.

 

Bei der Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit besteht keine Pensionskassenpflicht, und das Einkommen ist beim Start oft tiefer als beim letzten Arbeitgeber. Hat die Einkommenshöhe einen Einfluss auf die versicherbaren Leistungen? Gibt es Mindestlaufzeiten für die Versicherungsdeckung?

Ausschlaggebend für die Höhe des Versicherungsschutzes ist das eingebrachte Freizügigkeitsvermögen, nicht die Einkommenshöhe. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Schadenversicherung handelt es sich bei unserer Lösung um eine Summenversicherung. Diese bietet dem Vorsorgenehmer den klaren Vorteil, dass im Schadenfall keine Leistungskürzung erfolgt. Die Mindestlaufzeit beträgt 6 Monate. Der Versicherungsschutz kann unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist jederzeit aufgelöst werden.

 

Für welche Situationen eignet sich das Versicherungsschutz-Angebot von Independent auch noch?

Die Babypause, eine Weiterbildung oder ein längerer Aufenthalt im Ausland sind sicherlich auch Lebensphasen, wo sich ein zweckmässiger Versicherungsschutz empfiehlt.

 

Independent Versicherungsschutz

 

«Die finanzielle Nachhaltigkeit ist längst nicht mehr gesichert»

Dr. sc. techn. Jérôme Cosandey setzt sich als Senior Fellow und Forschungsleiter Finanzierbare Sozialpolitik von Avenir Suisse vorwiegend mit der Altersvorsorge, Gesundheitspolitik sowie mit dem Generationenvertrag auseinander.

Das Dreisäulenkonzept der Schweizer Altersvorsorge ist weiterhin ein Erfolgsmodell. Doch weil der Reformwille fehlt, droht die finanzielle Schieflage. Ein Gespräch mit Jérôme Cosandey, dem Forschungsleiter Sozialpolitik von Avenir Suisse.

 

PensExpert: Sie sind Mitte 40 und müssen noch mindestens 20 Jahre arbeiten. Wie haben Sie ihre persönliche Altersvorsorge organisiert?

Jérôme Cosandey: Ich habe wie die meisten Schweizerinnen und Schweizer die AHV, die zweite Säule meines Arbeitgebers sowie eine steuerbegünstigte Säule 3a, in die ich freiwillig einzahle. Zudem besitze ich Wohneigentum, das ebenfalls einen Teil meiner dritten Säule ausmacht. Zu einer nachhaltigen Altersvorsorge gehören jedoch auch andere Faktoren: Wie und wo wohne ich? Wie kann ich die nötigen Fach- und Sozialkompetenzen entwickeln, um für den Arbeitsmarkt fit zu bleiben? Auch wenn es banal klingt: eine florierende Wirtschaft und die Möglichkeit, dabei einen Job zu haben, sind die wichtigsten Pfeiler einer guten Altersvorsorge.

 

Unsere Altersvorsorge stammt aus den 1970-er Jahren. Ist dieses Dreisäulenkonzept noch zeitgemäss?

Das Dreisäulenmodell ist weiterhin angebracht, weil es auf unterschiedlichen Finanzierungsformen beruht. Die Finanzierung der ersten Säule ist im Umlageverfahren organisiert, d.h. die Lohnbeiträge und ein Teil der Steuern eines Jahres decken die laufenden Renten. Diese Einnahmen hängen primär von der Schweizer Konjunktur ab. Die zweite Säule basiert auf dem Kapitaldeckungsverfahren. Jeder spart grundsätzlich über seine Pensionskasse Gelder für sich, die in der Schweiz, aber auch im Ausland investiert werden. So lässt sich das Finanzierungsrisiko international diversifizieren. Die dritte Säule ist von der Finanzierung her ähnlich wie die zweite Säule. Sie beruht aber auf Freiwilligkeit. In schlechten Jahren kann der Sparplan angepasst werden. Das Dreisäulenmodell bietet somit Risikodiversifikation und Flexibilität. Dieses Grundkonstrukt ist daher nach wie vor zeitgemäss. Es heisst aber nicht, dass alles rund läuft. 

 

Wo sehen Sie den dringendsten Handlungs- und Reformbedarf?

Die finanzielle Nachhaltigkeit der ersten und der zweiten Säule ist nicht mehr gesichert, die Gründe hingegen sind verschieden. Bei der ersten Säule ist es primär demografiebedingt. Da in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer, den Arbeitsmarkt verlassen, gibt es viel weniger Leute, die Lohnbeiträge einzahlen werden. Gleichzeitig werden mehr Personen als je zuvor eine Rente beziehen. Bei der zweiten Säule wurden in der Vergangenheit Rentenversprechen abgegeben, die auf Nominalrenditen beruhten. Weil nun aber die Inflation deutlich gesunken ist, sind diese Renditen kaum mehr zu realisieren. Deshalb muss der Umwandlungssatz dringend nach unten angepasst werden. Über das Ob wird heute zum Glück nicht mehr gestritten. Die Frage ist, wie weit dieser gesenkt werden soll und mit welchen begleitenden Massnahmen.

 

Längere Lebenserwartung, hoher Umwandlungssatz, tiefe Zinsen: Blutet die berufliche Vorsorge aus?

Die reale Verzinsung der Sparkapitalien ist immer noch positiv. Aus Sparersicht ist das Kapitaldeckungsverfahren weiterhin lohnenswert. Das Problem ist, dass die Rentnerinnen und Rentner aufgrund zu hoher Umwandlungssätze heute durch die aktive Bevölkerung quersubventioniert werden. Das ist systemwidrig. Dadurch werden zwar die zweite Säule am Leben erhalten und Reformen verzögert, dies jedoch auf Kosten der jüngeren Generationen.

 

Ist das Rentenalter 65 noch zeitgemäss?

Wo sonst, wenn nicht in der Schweiz muss über eine Erhöhung des Rentenalters gesprochen werden? Wir haben eine der höchsten Lebenserwartungen weltweit. Wir haben eine Wirtschaft, die stark vom Dienstleistungssektor abhängig ist, und somit weniger physische Abnützung von den Bürgern verlangt. Und die Erwerbsquote der älteren Mitarbeiter ist sehr hoch, auch im internationalen Vergleich. Dennoch ist die Anpassung des Rentenalters bei uns ein Tabu. Anders läuft es in 17 OECD-Ländern. Diese haben eine Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre oder mehr beschlossen, und zum Teil umgesetzt. Im internationalen Vergleich gehören wir mittlerweile zu den Schlusslichtern.

 

Was halten Sie von der Idee, das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln?

Das ist ein interessanter Ansatz, der in Ländern wie Dänemark oder Holland bereits verfolgt wird. Es heisst nicht, dass jeder Tag gewonnener Lebenserwartung am Arbeitsplatz verbracht werden muss. Gemäss einer simplen Rechnung verbringt man heute 40 Jahre im Job und 20 Jahre in Pension. Man könnte die sieben Wochen zusätzliche Lebenserwartung, die man jährlich gewinnt, nach demselben Verhältnis aufteilen. Das hiesse zwar, dass jeder circa vier Wochen später pensioniert würde als seine um ein Jahr älteren Kollegen. Doch trotz dieser verzögerten Pensionierung, die zur finanziellen Sanierung der Vorsorge signifikant beitragen würde, käme jeder Einzelne in den Genuss von rund drei zusätzlichen Wochen in Rente.

 

Gibt es andere Pensionierungsmodelle?

Gefragt sind sowohl bei den Arbeitgebern und Arbeitnehmern flexible Übergänge. Anstatt bis 65 Jahren zu arbeiten und dann schlagartig von 100 Prozent auf 0 Prozent zu reduzieren, wäre es besser, das Arbeitspensum bereits früher schrittweise zu senken. Dafür würde man über das Rentenalter von 65 Jahren hinaus arbeiten.

 

Sehen Sie konkrete Beispiele, die Regulierungsdichte in der beruflichen Vorsorge zu reduzieren?

Es gibt eine Tendenz zunehmend im Bereich des Überobligatoriums zu regulieren. Im vergangenen Jahr hat der Bundesrat z.B. neue Schikanen eingebaut. So gelten für 1e-Pläne strengere Vorschriften bei der Berechnung der maximalen Einkaufssumme als bei klassischen Vorsorgeplänen. Das ist der falsche Weg. Hier müsste die Politik ansetzen.

 

Sie fordern unter anderem die Einführung einer freien Pensionskassenwahl für die Versicherten. Welche Vorteile sehen Sie darin?

Es gibt zunehmend Leute, die nicht nur bei einem, sondern gleichzeitig bei mehreren Arbeitgebern tätig sind. Wenn diese Personen nur eine einzige Pensionskasse hätten, könnten sie alle Lohnbeitrage an einem Ort kanalisieren. Es gibt noch weitere Gründe. Bei einer sogenannten Teilliquidation einer Pensionskasse – zum Beispiel infolge einer Werkschliessung – verlieren die Leute heute nicht nur ihren Job, sondern möglicherweise auch einen Teil ihres angesparten Kapitals, falls die Pensionskasse in Unterdeckung liegt. Bei der freien Wahl der Pensionskassen könnte der Mitarbeiter mindestens sein BVG-Guthaben bei seiner Pensionskasse lassen. Bei der freien Wahl würde sich zudem der Wettbewerb unter den Pensionskassen verstärken und zu einer Konsolidierung des Marktes führen. Nach unseren Schätzungen wären damit jährliche Einsparungen bei den (Vermögens-)Verwaltungskosten von 800 Mio. Franken möglich. Fairerweise muss man sagen, dass im Gegenzug die Marketingausgaben steigen würden.

 

Inwiefern würde die freie Wahl die aktuellen Probleme der Altersvorsorge lösen?

Auf die Problematik der zu hohen Umwandlungssätze hätte die freie Wahl durch die Versicherten kaum Auswirkungen. Aber sie würde die zunehmende Individualisierung der Erwerbsbiografien besser spiegeln und wäre somit eine zeitgemässe Lösung.

 

Mehr Klarheit bei der freien Anlagestrategiewahl

Yves Goldmann – Der dipl. Natw. ETH ist Pensionskassen-Experte SKPE und Kundenverantwortlicher bei PensExpert AG in Zürich

Mit der 1. BVG-Revision wurde im Jahr 2006 auch die freie Anlagestrategiewahl für Löhne über CHF 126 900 gesetzlich verankert. Der Gesetzgeber hatte aber vergessen, die garantierte Austrittsleistung bei einer beruflichen Veränderung abzuschaffen. Per 1.10.2017 erfolgte endlich die langerwartete Anpassung des Freizügigkeitsgesetzes. Gleichzeitig sind weitere Verordnungsbestimmungen in Kraft getreten, welche Vorsorgelösungen mit freier Anlagestrategiewahl betreffen. Für notwendige Anpassungen gilt eine Übergangsfrist bis 31.12.2019.

 

Weiterhin 10 Anlagestrategien pro Arbeitgeber möglich

Ursprünglich plante das Bundesamt für Sozialversicherung, die Anzahl der Anlagestrategien auf Stufe Vorsorgeeinrichtung zu limitieren. Erfreulicherweise hat aber der Bundesrat diese zusätzliche Einschränkung nicht übernommen. Somit darf PensFlex weiterhin zehn Anlagestrategien pro angeschlossenen Arbeitgeber anbieten. Gesetzlich werden die 1e-Anbieter neu verpflichtet, auch eine risikoarme Strategie anzubieten. Sämtliche PensFlex Bankpartner verfügen bereits heute über eine risikoarme Strategie. Auch bei Anlagestrategien, welche mit BVV2- konformen Investmentlösungen oder artreinen Fonds umgesetzt werden, besteht kein Handlungsbedarf. Bei den übrigen Strategien klärt PensFlex derzeit ab, ob und welche Anpassungen erforderlich sind.

 

Strengere Regelung bei der Einkaufsberechnung

Der Bundesrat hat aus übertriebener Angst vor «unangemessen hohen Altersleistungen» die Einkaufsregelung für 1e-Vorsorgelösungen verschärft. Bisher berechnete sich die maximale Einkaufssumme mit einer Realverzinsung von 2%. Neu dürfen bei der Berechnung keine höheren jährlichen Beiträge als durchschnittlich 25% des versicherten Lohnes ohne Aufzinsung berücksichtigt werden. Die reduzierten Einkaufsmöglichkeiten gelten nicht für PensFlex Anschlüsse mit einer Einheitsstrategie, sondern nur für «echte» 1e-Vorsorgelösungen, bei welchen jeder Versicherte seine Anlagestrategie selbst auswählen kann. PensFlex wird die neuen Einkaufsbestimmungen – ohne anderweitige fiskalische Erkenntnisse – per 1.1.2020 anwenden. Bis 31.12.2019 ändert sich nichts.

 

Beispiel: Auswirkungen auf die Einkaufstabelle für 1e-Vorsorgelösungen in CHF

 

Fazit

Aus unserer Sicht ist der Bundesrat mit dieser Regelung deutlich über das Ziel hinausgeschossen. PensFlex prüft derzeit Umsetzungsvarianten und Massnahmen, um die Reduktion der Einkaufslücke so weit als möglich wieder zu kompensieren. Unsere Kundenverantwortlichen stehen Ihnen bei weiteren Fragen gerne zur Verfügung.

 

 

Die Anlagepolitik des AHV-Fonds

Manuel Leuthold compenswiss

Manuel Leuthold ist seit dem 1. Januar 2016 Verwaltungsratspräsident des AHV/IV/EO Ausgleichsfonds compenswiss

Was bedeutet die Ablehnung der Altersrentenreform für die Anlagepolitik der AHV? Und inwiefern unterscheiden sich die Anlagestrategien von AHV und Pensionskassen? Im Gespräch mit PensExpert erläutert der Verwaltungsratspräsident des AHV/IV/EO Ausgleichsfonds compenswiss, Manuel Leuthold, einige zentrale Fragen.

 

Nach der Ablehnung der Rentenreform wird der AHVFonds gemäss Schätzungen des Bundesamts für Sozialversicherungen BSV bis 2030 nahezu leer sein. Welchen Einfluss wird dies auf den von Ihnen verwalteten Ausgleichsfonds haben?

Für uns ändert das Ergebnis der Abstimmung nichts am Szenario, mit dem wir seit längerem arbeiten. Dazu gehört, dass wir Risiko und Liquidität dem Zeithorizont anpassen müssen. Daher werden wir weiterhin eine sehr vorsichtige Vermögensverwaltung verfolgen, um unsere drei gesetzlichen Vorlagen einzuhalten. Die erste ist, jederzeit die Liquidität sicherzustellen. Wegen des AHV-Umlageverfahrens ist es unsere Aufgabe, die Kosten für ein ganzes Jahr – also etwa CHF 50 Mrd. – zu decken, um die Renten zu finanzieren. Die beiden anderen Vorgaben sind Sicherheit und eine marktkonforme Rendite. Ab 2018 werden wir auch den Wegfall vorübergehender Stützungsmassnahmen zugunsten der IV und das Ende der Zinszahlungen für die Schulden der IV an die AHV durch den Bund berücksichtigen müssen.

 

Sie haben die Möglichkeit erwähnt, Ihre Anlagen zu diversifizieren und zum Beispiel in Private Equity, in Schweizer Startups oder auch in Hypotheken zu investieren. Wo stehen Sie hier nach der Abstimmung?

In dieser Konstellation sind diese Arten von Anlagen klar nicht vernünftig. Aus Anlageinstrumenten wie Private Equity kann man im Allgemeinen erst nach 10 Jahren zu guten Konditionen aussteigen. Wir brauchen aber Liquidität und regelmässige Erträge, um das jährlich wachsende Defizit der AHV wenigstens teilweise auszugleichen. Hypotheken haben den Vorteil, dass sie in Schweizer Franken abgeschlossen werden und ein wiederkehrendes Einkommen generieren. Aber auch sie bedingen ein langfristiges Engagement. Ohne die hohen Kosten für das Schaffen einer ihr angepassten Verwaltungsstruktur zu berechnen. Auch die Investition in Startups setzt einen langfristigen Zeithorizont voraus. Wir überprüfen alljährlich die Lage der Makroökonomie sowie der Finanzmärkte und passen unsere Allokation entsprechend an. Angesichts der unsicheren Perspektiven besteht aktuell kein Anlass, unsere Strategie zu ändern.

 

Marktportfolio-Allokation per 31.12.2016

 

Die Ausgleichsfonds müssen ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Risiko und Ertrag ermitteln und gleichzeitig einen hohen Bestand an Liquidität bewahren. Wie lösen Sie dieses Dilemma im aktuellen tiefen oder sogar negativen Zinsumfeld?

Im Unterschied zu den Pensionskassen sind wir nicht den Anlagerichtlinien BVV2 unterstellt, was uns eine grössere Freiheit bei der Wahl der Investitionen verleiht. Aber wir müssen sicher sein, dass die erwarteten Erträge mit den Risiken übereinstimmen, die wir uns erlauben können. Unser Risikobudget für Sozialwerke beträgt bezogen auf die Volatilität derzeit etwa 4 %. Die gegenwärtige Lage der Märkte mit einer sehr geringen Volatilität erlaubt uns, traditionell volatileren Anlageklassen höhere Beträge zuzuweisen. Wir hoffen so, mit vertretbarem Risiko höhere Erträge als in der Vergangenheit üblich zu erzielen. Im gegenwärtigen Umfeld sind es Aktien, aber auch festverzinsliche Investitionen in Fremdwährungen und Immobilien, die gut performen.

 

Wie unterscheidet sich die Anlagestrategie des AHVFonds von der Strategie einer Pensionskasse?

Zunächst gilt es festzuhalten, dass eine Pensionskasse mit dem Kapitalisierungansatz arbeitet. Die jährlichen Ausgaben entsprechen daher in etwa einem Zehntel des Vermögens. In unserem Fall belaufen sich die jährlichen Ausgaben auf ca. 130 % des Vermögens. Im Weiteren hängen diese von jeder Kasse sowie dem Profil der Versicherten ab. Aber der grösste Unterschied betrifft den Zeithorizont, der in unserem Fall begrenzt ist. Ich glaube nicht, dass viele Vorsorgeeinrichtungen davon ausgehen, dass ihre Kassen bis 2030 leer sind! Dazu kommt, dass wir aus historischen Gründen kein Immobilienvermögen haben. Auch kenne ich wenige Pensionskassen, die zwei Drittel ihres Vermögens im Ausland investieren, wie wir es wegen unserer Grösse tun.

 

Wie beurteilen Sie den Ruf nach immer höheren Anlagerisiken in der beruflichen Vorsorge?

Es ist zu präzisieren, dass diese Nachfrage vor allem durch den Zwang diktiert wird, höhere Renditen zu erzielen. Die Pensionskassen unterliegen den BVV2-Richtlinien und haben die Verpflichtung, unter anderem den gesetzlichen BVG-Mindestzinssatz zu erwirtschaften. Eine Erhöhung der Anlagerisiken kann sicher dann in Betracht gezogen werden, wenn eine Pensionskasse nach erfolgter Asset- und Liability-Analyse über einen klar positiven Deckungsgrad verfügt. Die Pensionskassen wären aber schlecht beraten, wenn sie die Vorsorgevermögen für Investitionsziele verwenden würden, die nicht im Interesse der Versicherten liegen.