Nein zur Rentenreform 2020 – gut für die Jungen aber schlecht für die AHV

Mit einem Gesamtpaket wollte Bundesrat Alain Berset die erste und die zweite Säule stabilisieren. Die Rentenreform 2020 war aber zu kompliziert und zu wenig transparent für die Bürger. Mit einem Nein an der Urne war deshalb zu rechnen. Für die Jungen ist das eine gute Nachricht. Denn sie und die nachfolgenden Generationen hätten die Kosten für die Reform tragen müssen. Trotz Ablehnung der Vorlage, das Volk wäre offen für dringend notwendige Reformen. Dabei hat die AHV sicher Priorität. Das Frauen AHV-Rentenalter muss in einer ersten Phase auf Alter 65 angehoben werden und langfristig ist eine generelle Erhöhung des AHV-Alters anzustreben. Mit dem gestrigen Nein bleibt auch der Umwandlungssatz im Obligatorium der 2. Säule weiterhin bei 6,8% und damit eindeutig zu hoch. Entsprechend wird die Mehrheit der Pensionskassen das überobligatorische Altersguthaben weiterhin als Quersubventionierungstopf einsetzen. Diese Umverteilung ist systemfremd und für die Versicherten nicht transparent. Aber dieser Umstand wird vermutlich noch länger Bestand halten; denn an der Urne hätte eine Umwandlungssatzreduktion kaum eine Chance.

BSV handelt unglaubwürdig und will Wahlfreiheiten in der Kadervorsorge reduzieren!

Bild_JODer Gesetzgeber hat im Jahr 2006 die freie Anlagestrategiewahl für den einzelnen Versicherten für Einkommensteile über CHF 126‘900 in Kraft gesetzt. Unklar blieb, wie viele Anlagestrategien bei solchen 1e-Vorsorgeplänen den Versicherten angeboten werden dürfen.

Das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) hat mit ihrer Mitteilung vom Dezember 2011 die Zahl der Anlagestrategien auf 5 bis 10 begrenzt. Der sommerliche Vorschlag des BSV, die Zahl der Anlagestrategien bei 1e-Plänen auf nur noch drei Wahlmöglichkeiten zu reduzieren, kommt in dieser Form überraschend und ist strikt abzulehnen. Genau genommen wären es lediglich zwei, denn eine Strategie wird mehr oder weniger vom BSV vorgegeben.

Auch das eidgenössische Parlament hat erst im Dezember 2015 grünes Licht für eine liberale Richtung bei 1e-Plänen gegeben und die letzten Restgarantien im Bereich der freien Anlagestrategiewahl aufgehoben. Von einer Reduktion der Anlagestrategien war dabei nie die Rede. Mit diesem Verordnungsvorschlag schiesst das BSV klar über das Ziel hinaus und auch die Kommunikationsweise war erneut bedenklich.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im NZZ Artikel vom 19. August 2016 „Vorsorge-Sparpläne im Kreuzfeuer der Kritik“.

Stiftungssitz Schwyz ist und bleibt interessant

Der Nationalrat wollte, dass das ausbezahlte Freizügigkeitsguthaben neu am Ort des letzten Schweizer Wohnsitzes statt wie heute am Sitz der Stiftung besteuert werden soll. Das wurde verhindert: Der Ständerat will an der Art und Weise, wie Freizügigkeitsguthaben von Auswanderern beim Bezug besteuert werden, nichts ändern. Er hat die entsprechende parlamentarische Initiative aus dem Nationalrat abgelehnt. Der Vorstoss ist damit vom Tisch. Damit dürfte bei diesem Thema für längere Zeit Ruhe und somit Planungssicherheit eingekehrt sein. Für Auswanderer, die ihre Vorsorgegelder beziehen wollen, bleibt der Stiftungssitz für die Besteuerung massgebend. Bei solchen Barauszahlungen kennt der Kanton Schwyz die schweizweit tiefste Quellensteuerbelastung (maximal 4,8 Prozent). Für PensFree und Independent Kunden mit Wohnsitz im Ausland oder Vorsorgenehmer mit Auswanderungsplänen besteht deshalb kein Handlungsbedarf.

Spezifisches Vorsorge-Wissen begünstigt gemäss Universität Basel eine effiziente Vorsorge

Eine Studie von Prof. Dr. Jörg Rieskamp und Dr. Andreas Pedroni an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel zeigt: Wer freiwillig vorsorgt, muss die Selbstbeherrschung haben, auf gegenwärtigen Konsum zu verzichten, und das Wissen, in Zukunft mit dem gesparten Geld Mehrwert zu haben. Beim Wissen geht es interessanterweise nicht um das allgemeine Verständnis von Finanzfragen (Financial Literacy), sondern um spezifische Kenntnisse, wie das konkrete Vorsorgesystem funktioniert, in dem die Vorsorge getroffen wird. Die Studienautoren zeigen dies anhand einer Umfrage zur freiwilligen Säule 3a: 90% der Befragten mit guten Kenntnissen besitzen ein 3a-Konto, von denjenigen mit geringem Wissen aber nur 54%. Personen mit höherem Wissen über das Vorsorgesystem zahlen gemäss der Studie nicht nur häufiger, sondern auch mehr in die Säule 3a ein. Besonders ältere männliche Personen (max. 45-jährig) mit hohem Einkommen und sehr guter Bildung haben bedeutend mehr in ihre Säule 3a einbezahlt. Die Differenz der 3a-Einzahlungen von Menschen mit geringem Wissen über das Vorsorgesystem zu den Einzahlungen derjenigen mit hohem Wissen liegt in der gleichen Grössenordnung wie die Erhöhung der 3a-Einzahlungen die durch eine Steigerung von zwei Einkommenskategorien zustande kommt. Trotz dieses starken Effekts ist es schwierig, eine Aussage über die Kausalität dieses Effektes zu machen. Es ist wahrscheinlich, dass Menschen, die mehr vorsorgen, sich auch eingehender mit dem System befassen und Wissen über die Altersvorsorge erworben haben, meinen die Autoren der Studie. Diese Studie stützt meine Auffassung, dass die Effizienz und Akzeptanz unseres Vorsorgesystems mit systematischer Ausbildung erhöht werden kann.

Steigende Zinsen können verkraftet werden

Seit 1990 sanken die Nominalzinsen in der Schweiz von knapp 7% auf noch knapp 0%. Dank den Zinssenkungen wurden auf den Obligationen markante Kursgewinne verbucht. Probleme entstehen, wenn die Zinsen sich nicht mehr bewegen und auf diesem Niveau verharren. Nach unten können sie kaum mehr, eher nach oben. Steigende Zinsen führen aber bei Festzinspapieren zu Kurseinbussen. Entscheidend ist in dieser Phase ein aktives Zinsrisikomanagement, meinte Dr. Alfred Bühler von PPCmetrics kürzlich an der BVG-Arena der Innovation Zweite Säule in Bern. Doch auch so dürfte es in den nächsten 10 Jahren schwierig sein, mit Schweizer Obligationen eine Rendite von mehr als 1% zu erwirtschaften. Ausgleich können Mehrerträge risikobehafteter Anlagen bieten, wobei auch deren Renditeerwartungen gedrückt sind. Bühler räumt ein, dass solide Pensionskassen mit gesunder Altersstruktur durchaus höhere Anlagerisiken eingehen können. Doch muss der Risikotransfer transparent aufgezeigt und im Auge behalten werden. Nur schon der transparente Ausweis des ökonomischen Deckungsgrads (Finanzielle Sicherheit) sowie des risikotragenden Deckungsgrad (Belastung der Risikoträger) würde das Problemverständnis bei den Vorsorgeeinrichtungen schärfen und die Problematik des Risikotransfers aufzeigen.

Auch Ernst Rätzer, eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte, meinte an der Veranstaltung, dass steigende Nominalzinsen verkraftbar seien. Demnach wurden in der Vergangenheit nach allen signifikanten Zinswenden nach oben seit den 30er-Jahren in den fünf Folgejahren deutlich positive Obligationenrenten erzielt. Mit Ausnahme der 60er-Jahre gelte dies auch für die Aktienrenditen. In den nächsten 3 bis 5 Jahren können somit Renditen im Rahmen der Mittelwerte der bisherigen Zinstrendwechsel erwartet werden, natürlich auf dem entsprechend tieferen Ausgangs-Zinsniveaus.

Entlastend wirkt ausserdem die tiefe Teuerung, was meiner Meinung nach zu wenig beachtet wird. 2015 ergab sich sogar eine negative Teuerung von 1,1%! Real gesehen dürften die Zinsen also positiv bleiben, womit die Kaufkraft der Vorsorgevermögen gewahrt bleibt.

Es sind denn auch nicht die Marktzinsen, welche das Gleichgewicht unserer beruflichen Vorsorge gefährden, sondern die politisch bestimmten Berechnungsparameter. So werden der BVG-Mindestzinssatz und insbesondere der technische Zinssatz schon seit Jahren zu hoch angesetzt. Systemstörend wirkt aber auch der Umwandlungssatz für das obligatorische BVG-Guthaben, der nach wie vor viel zu hoch ist. Davon profitieren zurzeit die Altersentner, die zu hohe Renten beziehen. Diese Kosten müssen die Erwerbstätigen mit höheren Risikobeiträgen oder mit systemfremden Umverteilungen finanzieren. Das ist auf Dauer untragbar und muss so rasch wie möglich geändert werden.