Vorsorgekapital in die eigene Hypothek investieren

Andreas Blattner ist Leiter des Office Basel bei der PensExpert

Für die Finanzierung einer Immobilie ist es üblich, eine Hypothek bei einer Bank oder Versicherung aufzunehmen, für die dann ein Schuldzins bezahlt wird. Seit kurzem bieten einzelne Vorsorgestiftungen – sei es als überobligatorische Pensionskasse, Freizügigkeitsstiftung oder Säule 3a – neben den klassischen Kapitalanlagen eine Möglichkeit für die Anlage in Hypotheken zwecks Finanzierung von eigenen Wohnliegenschaften (inklusive Ferien- und Zweitwohnungen sowie Mehrfamilienhäusern).

 

Dabei wird eine laufende Hypothek bei der Bank oder Versicherung abgelöst oder eine neue Hypothek für den Kauf eines Wohnobjektes gewährt. Der Vorsorgenehmer kann hierbei bis zu 50 Prozent des persönlich vorhandenen Vorsorgekapitals in einen stiftungseigenen Hypothekarpool risikoarm investieren. Als Sicherheit ist jeweils ein Inhaber-, Namen- oder Registerschuldbrief erforderlich.

 

 

Interessante Alternative

Der in der privaten Steuererklärung abzugsfähige, variable Schuldzins an den Hypothekarpool ist mit rund 2,5 Prozent zwar deutlich höher als eine Liborhypothek. Dafür wird der gleiche Zinsbetrag vollumfänglich zugunsten des im Hypothekarpool investierten Vorsorgekapitals steuerfrei ausgeschüttet.

Gerade in Zeiten des Anlagenotstandes und als Obligationenersatz ist eine solch risikoarme Anlagemöglichkeit eine höchst interessante Alternative. Gleichzeitig bringt eine Anlage im Hypothekarpool mehr Stabilität und hilft die Rendite zu optimieren. Denn mit einer nur halbwegs sicheren Franken-Obligation ist aktuell kaum eine positive Rendite auf Verfall nach Abzug der Verwaltungskosten realisierbar.

Die restliche Hälfte der nicht in den Hypothekarpool investierten Vorsorgegelder können gemäss den BVG-Anlagerichtlinien vollständig in Aktien und Immobilien investiert werden. Wer eine solche Anlagestrategie längerfristig nutzt, erzielt neben der Steuer- auch eine spürbare Renditeoptimierung und kann gleichzeitig das Zinsänderungsrisiko deutlich reduzieren.

Spätestens per Bezug der Vorsorgegelder und Überführung ins Privatvermögen wird die Vorsorgehypothek aufgelöst und quasi zu Eigenkapital oder muss diese bei einer Bank oder Versicherung als normale Hypothek fortgeführt werden. Für risikofreudige Anleger könnte es sich dann lohnen, einen Teil der freien Kapitalien renditeträchtiger anzulegen, weil die einschränkenden BVG-Anlagevorschriften entfallen.

 

 

Mehr Selbstverantwortung zur Sicherung des Lebensstandards

Andreas Blattner ist Niederlassungsleiter bei der PensExpert in Basel

Gemäss Bundesverfassung ist es seit 1985 Ziel, ab der ordentlichen Pensionierung (Alter 65/64) ein Renteneinkommen zusammen aus AHV und dem obligatorischen Teil der Pensionskasse von 60 Prozent des bisherigen Erwerbseinkommens zu erreichen, um den gewohnten Lebensstandard angemessen fortzuführen. Wie sieht es heute aus? Statt vier Prozent Verzinsung (1985-2002) auf dem obligatorischen Altersguthaben ist seit 2017 nur noch ein Prozent Zins garantiert, und statt mit 7,2 Prozent (1985-2004) wird das Kapital seit 2014 noch mit 6,8 Prozent in eine lebenslängliche Rente umgewandelt, mit einem weiteren geplanten Abbau bis auf sechs Prozent.

 

Kann das Leistungsziel in diesem Umfeld überhaupt noch gehalten werden? Alle Erwerbstätigen mit einem Lohn bis rund 85 000 Franken pro Jahr erreichen das Ziel von 60 Prozent wie bisher; doch bei Löhnen über dem Obligatorium von 85 000 Franken ist dies anders. Es gibt dort weder Zinsgarantie noch vorgegebene Umwandlungssätze. Mit einem Lohn von 100 000 Franken liegen wir noch bei einer Zielerreichung von 52 Prozent, von 150 000 bei 35 Prozent, von 200 000 bei 26 Prozent. Um auf das Rentenziel von 60 Prozent aus AHV und PK zu kommen, müssten bei einem Lohn von 100 000 Franken ab Alter 25 während 40 Jahren zusätzlich 1700 Franken angespart werden, bei 150 000 schon 5800 Franken, und bei 200 000 sind es bereits 10 000 Franken, jeweils pro Jahr. Sofern das Kapital während der 40 Beitragsjahre (Alter 25-65) mit einer höheren Durchschnittsrendite angelegt werden kann, so kann auf höhere Sparbeiträge verzichtet werden. Bei einem Lohn von 100 000 Franken sind zwei Prozent, bei 150 000 sind 2,75 Prozent und bei 200000 Franken sind bereits 3,1 Prozent pro Jahr erforderlich. Dieses Ziel lässt sich für versicherte Löhne insbesondere im überobligatorischen Bereich mit einer schwergewichtig sachwertorientierten Anlagestrategie (zum Beispiel Aktien, Immobilien) realisieren.

 

Was tun? Folgende Massnahmen stehen zur Verfügung und führen mit einer geschickten Kombination zum Leistungsziel von 60 Prozent:

  • Erstens, unbedingt auch auf Lohnanteilen höher als 85 000 Franken planmässig sparen, am besten auf dem ganzen AHV-Lohn (abzüglich Koordinationsabzug).
  • Zweitens, die vom Gesetz vorgesehenen prozentualen Altersgutschriften von sieben, zehn, 15 und 18 Prozent um mindestens zwei Prozent erhöhen.
  • Drittens, das persönliche Alterskapital für Lohnanteile höher 85 000 Franken unter Ausschöpfung der gesetzlich zulässigen Anlageinstrumente und abgestimmt auf Risikofähigkeit und Risikoneigung besser rentierend investieren.
  • Viertens, die Pensionskassenlösung zwecks Risikodiversifikation und wegfallender Quersubventionierung in eine Basis- und eine separate Kader-/Zusatzvorsorge aufteilen.
  • Fünftens, einen erfahrenen Pensionskassenspezialisten für die Konzeption und Plangestaltung einer massgeschneiderten, ganzheitlichen Vorsorgelösung beiziehen.

Für den Alterskapitalbezug nach Deutschland

Andreas Blattner ist Niederlassungsleiter bei der PensExpert in Basel

Schweizer Vorsorgegelder können in Deutschland neuerdings zum Teil steuerfrei bezogen werden. Dies sind gute Nachrichten für Personen, welche in die Schweizer Berufsvorsorge einzahlen und den Ruhestand in Deutschland geniessen wollen. Wie immer muss allerdings das Kleingedruckte genau gelesen werden.

 

Gemäss einem Urteil des deutschen Bundesfinanzhofs sind ab sofort Kapitalauszahlungen aus der überobligatorischen beruflichen Schweizer Vorsorge in Deutschland weitgehend von der Besteuerung befreit. Komplett steuerfrei sind sie, wenn der Beziehende vor dem 1. Januar 2005 in das Schweizer Vorsorgesystem eingetreten ist und die Mitgliedschaft im Auszahlungszeitpunkt mindestens zwölf Jahre ununterbrochen bei derselben oder nacheinander bei verschiedenen Pensionskassen bestanden hat. Bei einem späteren Eintritt in das Schweizer Vorsorgesystem unterliegt die Differenz zwischen Kapitalleistung und einbezahlten Beiträgen (Performance und Kapitalerträge) zu hundert Prozent, bei einem Bezug nach Vollendung des 60. Altersjahres zu 50 Prozent der individuellen Einkommenssteuer. Das Vorsorgevermögen aus dem Überobligatorium sollte als steuerfreies Kapital und nicht als Rente bezogen werden. Denn Rentenleistungen aus der überobligatorischen beruflichen Vorsorge unterliegen mit einem gesetzlich festgelegten Ertragsanteil der individuellen Einkommenssteuer. Der prozentuale Ertragsanteil variiert je nach Alter des Rentenbezügers zwischen neun und 59 Prozent. Das Pensionskassenvermögen aus der obligatorischen beruflichen Vorsorge kann sowohl als Rente als auch als Kapital bezogen werden. Steuerlich gesehen wird beides gleich behandelt.

 

Beide Bezugsformen unterliegen weiterhin dem im Auszahlungsjahr gesetzlich festgelegten Besteuerungsanteil (2017: 74 Prozent) der individuellen Einkommenssteuer. Von dieser günstigen Rechtsprechung können auch auswanderungsfreudige Schweizer profitieren. Bei der Auszahlung wird eine Quellensteuer erhoben, die aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Schweiz und Deutschland zurückgefordert werden kann. Entscheidend ist das Timing: An dem Tag, an dem die Kapitalleistung fällig wird, muss der zivil- und steuerrechtliche Wohnsitz bereits nach Deutschland verlegt worden sein. Frühzeitiges Planen lohnt sich. Zudem müssen deutsche Grenzgänger beziehungsweise deren Pensionskassen und Arbeitgeber einige neue steuerliche Bestimmungen beachten: Rückwirkend zum 1. Januar 2016 muss bei der deutschen Steuererklärung angegeben werden, wie die Arbeitgeber und auch die Arbeitnehmerbeiträge der beruflichen Vorsorge in einen obligatorischen und überobligatorischen Teil aufzuteilen sind. Um Rückfragen zu vermeiden, sollten Schweizer Arbeitgeber den von ihnen beschäftigten Grenzgängern eine separate Bescheinigung als Beilage zum Schweizer Lohnausweis über die bezahlten Sozialversicherungsbeiträge ausstellen.

 

 

Reform 2020: Was sich in der zweiten Säule ändert

Die AHV und die berufliche Vorsorge (BVG) sind nicht nachhaltig finanziert. Ohne Reform der beiden Säulen verschlechtert sich die finanzielle Schieflage weiter. Eine strukturelle Anpassung ist überfällig. Das Ziel der Altersreform 2020 ist letztlich, das Leistungsniveau im Zusammenspiel von AHV und BVG zu sichern. Es geht also um weit mehr als die zusätzlichen 70 Franken AHV-Rente für Neurentner pro Monat.

 

Auswirkungen bei der beruflichen Vorsorge

Auswirkungen bei der beruflichen Vorsorge

Indem der Koordinationsabzug sinkt, steigt der versicherte Lohn, auf welchem planmässige Sparbeiträge über 40 Jahre (von Alter 25 bis 65) für das Alter angespart werden (siehe Tabelle). In den 20 Jahren zwischen Alter 35 bis 54 werden die Sparbeiträge um jeweils einen Prozentpunkt erhöht, wodurch die kumulierten Sparbeiträge ab Alter 25 bis Alter 65 statt 500% neu 520% betragen. Daraus resultiert ein höheres Endaltersguthaben, mit dem die schrittweise Senkung des Umwandlungssatzes bis 2022 von 6.8% auf 6.0% aber nur teilweise aufgefangen werden kann. Insbesondere bei höheren Löhnen muss für die Altersvorsorge mehr ansparen, um das Leistungsniveau im Alter zu halten.

 

Die weiteren Kernelemente für die Entlastung der zweiten Säule sind:

  • Das Mindestalter für eine vorzeitige Pensionierung steigt von 58 auf 62 Jahre; dieses kann im Reglement der jeweiligen Vorsorgeeinrichtung auf minimal Alter 60 reduziert werden. Die flexiblen Bezugsmöglichkeiten beschränken sich somit grundsätzlich auf den Zeitraum zwischen Alter 62 bis 70.
  • Die Möglichkeit einer Teilpensionierung in drei Schritten wird neu im Gesetz der beruflichen Vorsorge (BVG) verankert. Dabei dürfen alle Teilbezüge der Altersleistung jeweils in Kapitalform erfolgen.
  • Selbständigerwerbende ohne eigenes Personal dürfen sich freiwillig nicht nur dem jeweiligen Berufsverband oder der Auffangeinrichtung anschliessen, sondern jeder Vorsorgeeinrichtung, welche dies in ihrem Reglement zulässt.
  • Die Rechtsprechung der vergangenen rund 20 Jahre fliesst in die BVG-Gesetzgebung ein und schafft damit Rechtssicherheit, was Rechtsfälle und Unsicherheiten teilweise abbaut.

 

Die vorliegende Reform ist ein Kompromisspaket und nicht der grosse Durchbruch. Weitere Reformen müssen auch nach einer allfälligen Annahme zügig angegangen werden. Nach der Reform 2020 ist vor der Reform 2030.

 

Vorsorge- und Nachfolgeoptimierung dank Beletage – Teil 3

Finanzoptimierung in der beruflichen Vorsorge

Eine Kadervorsorge bietet flexible Anlagemöglichkeiten und erhebliche Steueranreize. Auch hier gilt eine Einschränkung, wie in der gesamten beruflichen Vorsorge: Diese Gelder sind grundsätzlich bis zur Pensionierung gebunden, also blockiert.

In einzelnen Ausnahmefällen können sie früher bezogen werden; dort, wo eine hohe Liquidität benötigt wird: zur Finanzierung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit als Personengesellschaft, zur Finanzierung von Wohneigentum sowie unter bestimmten Auflagen bei einer definitiven Auswanderung. Ausserdem im Todesfall, von den Nachkommen. Liquidität und/oder Anlagevermögen, welche für direkte Erbberechtigte reserviert sind, können also durchaus in die eigene zweite Säule investiert werden, sofern die Stiftung auch die Rückgewähr der freiwilligen Einkäufe im Todesfall gewährleistet.

Aufgrund der Bindung der Gelder ist es also wichtig, nur liquide Mittel in das BVG-System einzuzahlen, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit weder privat noch unternehmerisch vor der Pensionierung benötigt werden. Anderseits ist es von Vorteil, nicht benötigte Mittel so weit wie möglich in die zweite Säule zu investieren, um die Altersvorsorge zu stärken und von Steuerabzügen zu profitieren. Je höher der gemeldete Lohn und die planmässigen Sparbeiträge festgelegt werden, umso höhere Einkaufslücken können aus finanziert werden. Für Unternehmer und Partneraktionäre kann es sich fallweise lohnen, die Dividende der eigenen Firma zugunsten höherer Löhne zu kürzen, obwohl die Dividende ab einer Zehn-Prozent-Beteiligung ebenfalls steuerprivilegiert behandelt wird.

Es empfiehlt sich, zuerst die Einkaufslücken in einer separaten Kadervorsorge zu füllen, da diese individuelle Anlage- und bessere Renditemöglichkeiten bieten kann. Zudem findet bei einem zeitgemässen Vorsorgeplan im Gegensatz zur Basisvorsorge keine Verrechnung zwischen allfälligen Todesfallleistungen und vorhandenem Alterskapital statt. Immer beachtet werden muss, dass drei Jahre vor einem Bezug der Kapitalleistungen keine Einkäufe mehr getätigt werden können. Damit fehlt in diesen drei Jahren eine bedeutende Steuersparoption, weshalb mit einer steigenden Steuerlast gerechnet werden muss. Um diesen Effekt zu mindern, könnten Arbeitszeit und Lohn durch Teilpensionierungsschritte gesenkt werden. Allenfalls kann in dieser Phase der Lohn zugunsten einer höheren Dividende gekürzt werden.

Bei einer durchdachten Planung und Umsetzung der Vorsorge sollten nach der Pensionierung keine Liquiditätsengpässe auftreten. Bei der Kadervorsorge kann das meist in Wertschriften gehaltene Alterskapital 1:1 ins Privatvermögen überführt werden. Der laufende fixe Lebensunterhalt wird oft aus den Renten der AHV sowie der Basispensionskassen finanziert, während der variable Bedarf über den nahezu steuerfreien Verzehr des nun privaten Kapitals sichergestellt wird. Es lohnt sich, einen Pensionskassenspezialisten für die Gestaltung und Umsetzung einer massgeschneiderten, ganzheitlichen Vorsorgelösung beizuziehen.