Klaus W. Wellershoff – Der Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und ehemalige Chefökonom der UBS ist Verwaltungsratspräsident, CEO und Senior Client Partner der Wellershoff & Partners AG, die sich auf Beratung im Bereich Makroökonomie und Finanzmärkte spezialisiert hat.

Im Expertengespräch mit PensExpert skizziert Prof. Dr. Klaus W. Wellershoff die Treiber und Erfolgsfaktoren einer durchdachten Anlagepolitik. In Bezug auf die Aktienmärkte zeigt er sich nach wie vor optimistisch.

 

Herr Wellershoff, die traditionellen Aktienmärkte bekunden zurzeit Mühe, ihre Rekordniveaus zu halten. Wie beurteilen Sie deren Bewertungen?

Dass die Kurse der Anlagen schwanken, ist normal. Die gegenwärtige Schwankungsbreite ist nicht aussergewöhnlich. Die Bewertungen sind allerdings gestiegen, vor allem in der Schweiz. Dementsprechend beschränkt sind die weiteren Gewinnchancen. Ein Grund für einen Einbruch ist aber aktuell auch nicht zu erkennen.

 

Weshalb bleiben Sie optimistisch?

Wichtigster Treiber der Aktienmärkte ist die Weltkonjunktur. Und diese entwickelt sich nach wie vor erfreulich. Sie dürfte sich in den nächsten ein bis zwei Quartalen sogar noch beschleunigen.

 

Sorgen Sie sich nicht um die handelspolitischen Spannungen zwischen den USA und China sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten?

Doch, schon. Die protektionistischen Tendenzen im Welthandel sowie die wachsenden Unsicherheiten bezüglich Eigentumssicherheit behindern die arbeitsteilige Wirtschaft. Dies belastet vor allem das Trendwachstum in den USA und die Aussichten multinationaler Konzerne. Der Nahe Osten bleibt eine Krisenregion, wie er es auch in den letzten Jahren war.

 

Und die Erwartung steigender Zinsen?

Ausserhalb Europas hat die Zinswende bereits eingesetzt. Bei zehnjährigen US-Anleihen haben sich die Zinsen verdoppelt. In der Schweiz hängen wir jedoch fest. Dies ist unter anderem auf die extreme Position der Schweizerischen Nationalbank zurückzuführen. Eine «Nebenwirkung» dieser Geldpolitik ist, dass bei uns Obligationen vorläufig sehr unattraktiv bleiben.

 

Was soll man in diesem Umfeld meiden und wo investieren?

Schweizer Aktien sind vergleichsweise teuer, ebenso viele US-Technologiewerte. Europäische Aktien sind zwar defensiver und langweiliger, damit aber aus Anlagegesichtspunkten reizvoller. Obligationen sind noch nicht attraktiv genug. Besser ist es, anstelle von Obligationen Cash oder Geldmarktfonds zu halten.

 

Sollte man Auslandanlagen gegenüber dem Franken absichern?

Im ganz normalen Umfang. Eine übertriebene Sorge vor einer neuerlichen Frankenaufwertung muss man nicht haben. Einzige Ausnahme ist vielleicht der Dollar.

 

Sollte man in der heutigen Situation aktive vor kostengünstigen passiven Anlagestrategien bevorzugen?

Bei Anlagefonds oder Vermögensverwaltern mit konsistent überdurchschnittlicher Rendite ist der Kostenfaktor zweitrangig. Doch schlägt leider nur eine Minderheit regelmässig die Benchmarks. Und Privatanleger verstehen in der Regel zu wenig von Stockpicking. In vielen Fällen ist es deshalb besser, die Indexrisiken auf sich zu nehmen als die Selektionsrisiken.

 

Welche Rolle spielt der Zeithorizont für die Wahl der Anlagestrategie?

Der Zeithorizont ist weniger wichtig als viele denken. Und mehr Risiken zu nehmen für ein wenig mehr Rendite geht auch nicht immer auf. Timing ist ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei, ist doch die Prognosefähigkeit der Anleger geringer als allgemein angenommen. Wichtige ist die Diversifikation der Anlagen über verschiedene Anlageklassen, Länder und Sektoren. Dabei ist eine Gleichgewichtung der Anlageklassen langfristig empfehlenswert.

 

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