Säule 3a Lücken füllen

Emmanuel Ullmann

Emmanuel Ullmann ist Mitgründer und Generalsekretär des Branchenverbandes VVS.

Der Verein Vorsorge Schweiz vertritt die Interessen der Säule 3a Einrichtungen, der Freizügigkeitsstiftungen und deren Kunden. Emmanuel Ullmann, Generalsekretär des VVS, beantwortet einige zentrale Fragen von PensExpert.

 

 

Freizügigkeits- und Säule 3a Einrichtungen gibt es schon lange. Der VVS wurde aber erst vor drei Jahren gegründet. Was war der Auslöser für die Gründung?

Wir hatten festgestellt, dass sich alle Stiftungen mit den gleichen Problemen beschäftigen und kein Austausch stattfand. Es brauchte einen zentralen Ansprechpartner für den Dialog mit dem Regulator. Zwar fördert auch der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP die Interessen der Pensionskassen. Die Freizügigkeitsstiftungen sind für ihn allerdings eher ein «Nebenprodukt». Und die 3a Einrichtungen werden durch den ASIP gar nicht vertreten. Der VVS «stopft» diese Lücke. Durch unsere überschaubare Grösse sind die Kommunikationswege kurz. Wir können schnell und unbürokratisch reagieren und agieren. So haben wir in unserer dreijährigen Vereinsgeschichte in Bundesbern bereits einige Aktionen anreissen können.

 

Das Bundesamt für Sozialversicherungen versucht, auch den Bereich der Freizügigkeitsstiftungen immer stärker zu regulieren. Kann der VVS solche Regulierungsabsichten verhindern? Wo sehen Sie aktuell dringenden Handlungsbedarf?

Eines unserer Ziele ist, die Systemeffizienz zu fördern. Einer Überregulierung treten wir entschieden entgegen. Wir versuchen, im Dialog und mit Zahlenbeispielen sinnvolle Rahmenbedingungen zu schaffen. Momentan sind einige Regulierungen in der Pipeline. Ich denke da an die beabsichtigten Kapitalbeschränkungen bei der Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit oder im Alter (ELReform). Wir hinterfragen den Nutzen solcher Einschränkungen. Zusätzliche Regulierungen verursachen fast immer Kosten zulasten des Vorsorgenehmers – das kann nicht zielführend sein.

 

Bei den Säule 3a Einrichtungen beabsichtigen Sie, einen 3a Einkauf zu ermöglichen. Was versteht man genau darunter?

Rund 60% der Erwerbstätigen besitzen ein 3a Konto. Doch längst nicht alle Erwerbstätigen zahlen den jährlichen Maximalbetrag ein. Gründe dafür sind u.a. mangelnde finanzielle Möglichkeiten, spätes Interesse für die Vorsorge oder Unterbrüche beim AHVLohn. In all diesen Fällen entsteht eine Säule 3a Lücke. Das heutige System sieht einen späteren Ausgleich dieser Lücke nicht vor – und das finden wir nicht in Ordnung. Es geht also nicht um die Erhöhung der Beiträge, sondern lediglich darum, die Beitragslücken zu füllen.

 

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die Politik diese Idee wohlwollend aufnehmen wird?

Personen, die zeitweise aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, können mit einem späteren 3a Einkauf doch noch eine solide private Altersvorsorge aufbauen. Dies hätte auch positive Auswirkungen auf die Altersarmut – das ist auch im Interesse des Staates. So gesehen glauben wir, dass unsere Idee durchaus realistische Chancen auf eine Umsetzung hat.

 

Konjunktur stützt weiterhin die Aktienmärkte

Klaus W. Wellershoff – Der Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und ehemalige Chefökonom der UBS ist Verwaltungsratspräsident, CEO und Senior Client Partner der Wellershoff & Partners AG, die sich auf Beratung im Bereich Makroökonomie und Finanzmärkte spezialisiert hat.

Im Expertengespräch mit PensExpert skizziert Prof. Dr. Klaus W. Wellershoff die Treiber und Erfolgsfaktoren einer durchdachten Anlagepolitik. In Bezug auf die Aktienmärkte zeigt er sich nach wie vor optimistisch.

 

Herr Wellershoff, die traditionellen Aktienmärkte bekunden zurzeit Mühe, ihre Rekordniveaus zu halten. Wie beurteilen Sie deren Bewertungen?

Dass die Kurse der Anlagen schwanken, ist normal. Die gegenwärtige Schwankungsbreite ist nicht aussergewöhnlich. Die Bewertungen sind allerdings gestiegen, vor allem in der Schweiz. Dementsprechend beschränkt sind die weiteren Gewinnchancen. Ein Grund für einen Einbruch ist aber aktuell auch nicht zu erkennen.

 

Weshalb bleiben Sie optimistisch?

Wichtigster Treiber der Aktienmärkte ist die Weltkonjunktur. Und diese entwickelt sich nach wie vor erfreulich. Sie dürfte sich in den nächsten ein bis zwei Quartalen sogar noch beschleunigen.

 

Sorgen Sie sich nicht um die handelspolitischen Spannungen zwischen den USA und China sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten?

Doch, schon. Die protektionistischen Tendenzen im Welthandel sowie die wachsenden Unsicherheiten bezüglich Eigentumssicherheit behindern die arbeitsteilige Wirtschaft. Dies belastet vor allem das Trendwachstum in den USA und die Aussichten multinationaler Konzerne. Der Nahe Osten bleibt eine Krisenregion, wie er es auch in den letzten Jahren war.

 

Und die Erwartung steigender Zinsen?

Ausserhalb Europas hat die Zinswende bereits eingesetzt. Bei zehnjährigen US-Anleihen haben sich die Zinsen verdoppelt. In der Schweiz hängen wir jedoch fest. Dies ist unter anderem auf die extreme Position der Schweizerischen Nationalbank zurückzuführen. Eine «Nebenwirkung» dieser Geldpolitik ist, dass bei uns Obligationen vorläufig sehr unattraktiv bleiben.

 

Was soll man in diesem Umfeld meiden und wo investieren?

Schweizer Aktien sind vergleichsweise teuer, ebenso viele US-Technologiewerte. Europäische Aktien sind zwar defensiver und langweiliger, damit aber aus Anlagegesichtspunkten reizvoller. Obligationen sind noch nicht attraktiv genug. Besser ist es, anstelle von Obligationen Cash oder Geldmarktfonds zu halten.

 

Sollte man Auslandanlagen gegenüber dem Franken absichern?

Im ganz normalen Umfang. Eine übertriebene Sorge vor einer neuerlichen Frankenaufwertung muss man nicht haben. Einzige Ausnahme ist vielleicht der Dollar.

 

Sollte man in der heutigen Situation aktive vor kostengünstigen passiven Anlagestrategien bevorzugen?

Bei Anlagefonds oder Vermögensverwaltern mit konsistent überdurchschnittlicher Rendite ist der Kostenfaktor zweitrangig. Doch schlägt leider nur eine Minderheit regelmässig die Benchmarks. Und Privatanleger verstehen in der Regel zu wenig von Stockpicking. In vielen Fällen ist es deshalb besser, die Indexrisiken auf sich zu nehmen als die Selektionsrisiken.

 

Welche Rolle spielt der Zeithorizont für die Wahl der Anlagestrategie?

Der Zeithorizont ist weniger wichtig als viele denken. Und mehr Risiken zu nehmen für ein wenig mehr Rendite geht auch nicht immer auf. Timing ist ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei, ist doch die Prognosefähigkeit der Anleger geringer als allgemein angenommen. Wichtige ist die Diversifikation der Anlagen über verschiedene Anlageklassen, Länder und Sektoren. Dabei ist eine Gleichgewichtung der Anlageklassen langfristig empfehlenswert.