Andreas Blattner ist Niederlassungsleiter bei der PensExpert in Basel

Schweizer Vorsorgegelder können in Deutschland neuerdings zum Teil steuerfrei bezogen werden. Dies sind gute Nachrichten für Personen, welche in die Schweizer Berufsvorsorge einzahlen und den Ruhestand in Deutschland geniessen wollen. Wie immer muss allerdings das Kleingedruckte genau gelesen werden.

 

Gemäss einem Urteil des deutschen Bundesfinanzhofs sind ab sofort Kapitalauszahlungen aus der überobligatorischen beruflichen Schweizer Vorsorge in Deutschland weitgehend von der Besteuerung befreit. Komplett steuerfrei sind sie, wenn der Beziehende vor dem 1. Januar 2005 in das Schweizer Vorsorgesystem eingetreten ist und die Mitgliedschaft im Auszahlungszeitpunkt mindestens zwölf Jahre ununterbrochen bei derselben oder nacheinander bei verschiedenen Pensionskassen bestanden hat. Bei einem späteren Eintritt in das Schweizer Vorsorgesystem unterliegt die Differenz zwischen Kapitalleistung und einbezahlten Beiträgen (Performance und Kapitalerträge) zu hundert Prozent, bei einem Bezug nach Vollendung des 60. Altersjahres zu 50 Prozent der individuellen Einkommenssteuer. Das Vorsorgevermögen aus dem Überobligatorium sollte als steuerfreies Kapital und nicht als Rente bezogen werden. Denn Rentenleistungen aus der überobligatorischen beruflichen Vorsorge unterliegen mit einem gesetzlich festgelegten Ertragsanteil der individuellen Einkommenssteuer. Der prozentuale Ertragsanteil variiert je nach Alter des Rentenbezügers zwischen neun und 59 Prozent. Das Pensionskassenvermögen aus der obligatorischen beruflichen Vorsorge kann sowohl als Rente als auch als Kapital bezogen werden. Steuerlich gesehen wird beides gleich behandelt.

 

Beide Bezugsformen unterliegen weiterhin dem im Auszahlungsjahr gesetzlich festgelegten Besteuerungsanteil (2017: 74 Prozent) der individuellen Einkommenssteuer. Von dieser günstigen Rechtsprechung können auch auswanderungsfreudige Schweizer profitieren. Bei der Auszahlung wird eine Quellensteuer erhoben, die aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Schweiz und Deutschland zurückgefordert werden kann. Entscheidend ist das Timing: An dem Tag, an dem die Kapitalleistung fällig wird, muss der zivil- und steuerrechtliche Wohnsitz bereits nach Deutschland verlegt worden sein. Frühzeitiges Planen lohnt sich. Zudem müssen deutsche Grenzgänger beziehungsweise deren Pensionskassen und Arbeitgeber einige neue steuerliche Bestimmungen beachten: Rückwirkend zum 1. Januar 2016 muss bei der deutschen Steuererklärung angegeben werden, wie die Arbeitgeber und auch die Arbeitnehmerbeiträge der beruflichen Vorsorge in einen obligatorischen und überobligatorischen Teil aufzuteilen sind. Um Rückfragen zu vermeiden, sollten Schweizer Arbeitgeber den von ihnen beschäftigten Grenzgängern eine separate Bescheinigung als Beilage zum Schweizer Lohnausweis über die bezahlten Sozialversicherungsbeiträge ausstellen.

 

 

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