Bei der Einkommenssteuererklärung 2016 mussten deutsche Grenzgänger erstmals einen Nachweis erbringen, wie sich die Beiträge an die berufliche Vorsorge nach Obligatorium und Überobligatorium zusammensetzen. Arbeitnehmer, die in der beruflichen Vorsorge der Säule 2b versichert sind, müssen dabei mit einer höheren Steuerlast rechnen. 

Deutsche Grenzgänger, die in der Schweiz arbeiten, zahlen automatisch in die Schweizer Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) und in die berufliche Vorsorge (BVG) ein. Aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens sind sie aber in Deutschland steuerpflichtig. Dabei sorgte die steuerliche Behandlung der Beiträge in Schweizer Vorsorgeeinrichtungen regelmässig für Streitigkeiten, da man in Deutschland keine Unterteilung in Obligatorium (Säule 2a) und Überobligatorium (Säule 2b) kannte und die steuerliche Behandlung laufend Fragen aufgeworfen hat.

Ein Entscheid des Bundesgerichtshofs schafft nun Klarheit: Nur Beiträge in das BVG-Obligatorium können als Vorsorgeaufwand geltend gemacht werden. Die Arbeitgeberbeiträge sind hierbei in vollem Umfang steuerfrei. Die Arbeitnehmerbeiträge werden als Sonderausgabe gewertet und können bis zu einem definierten Höchstbetrag im Rahmen der Einkommenssteuererklärung abgezogen werden. Anders sieht dies bei Beiträgen ins Überobligatorium aus: Arbeitgeberbeiträge werden ab sofort beim Einkommen des Steuerpflichtigen zum Lohn hinzugerechnet. Auch die Arbeitnehmerbeiträge werden nicht mehr als Altersvorsorge-Aufwendungen bewertet und haben keine steuermindernden Auswirkungen. Arbeitnehmer, die im Überobligatorium versichert sind, müssen also mit einer höheren Steuerlast rechnen.

Damit dies für die deutsche Steuerbehörde nachvollziehbar ist, werden Grenzgänger aufgefordert, im Formular «Anlage-N-GRE» zur Einkommenssteuererklärung die Aufteilung der Arbeitnehmer- bzw. Arbeitgeberbeiträge in den obligatorischen und überobligatorischen Teil offenzulegen. Für die von der deutschen Steuerbehörde geforderten Aufteilung gibt es keine Rechtsgrundlage. Um Rückfragen zu vermeiden, empfehlen wir Arbeitgebern, die deutsche Grenzgänger beschäftigen, im Sinne einer “freiwilligen” Dienstleistung gegenüber den Versicherten bzw. Mitarbeitenden die entsprechende Aufteilung der Beiträge in einer Beilage zum Schweizer Lohnausweis auszustellen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in einer privatrechtlichen oder öffentlich-rechtlichen Pensionskasse versichert ist.

Welche Auswirkungen der Entscheid auf die Besteuerung der Leistungen aus der schweizerischen beruflichen Vorsorge hat, können Sie ab Ende Juni im nächsten Beitrag nachlesen.

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