BSV handelt unglaubwürdig und will Wahlfreiheiten in der Kadervorsorge reduzieren!

Bild_JODer Gesetzgeber hat im Jahr 2006 die freie Anlagestrategiewahl für den einzelnen Versicherten für Einkommensteile über CHF 126‘900 in Kraft gesetzt. Unklar blieb, wie viele Anlagestrategien bei solchen 1e-Vorsorgeplänen den Versicherten angeboten werden dürfen.

Das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) hat mit ihrer Mitteilung vom Dezember 2011 die Zahl der Anlagestrategien auf 5 bis 10 begrenzt. Der sommerliche Vorschlag des BSV, die Zahl der Anlagestrategien bei 1e-Plänen auf nur noch drei Wahlmöglichkeiten zu reduzieren, kommt in dieser Form überraschend und ist strikt abzulehnen. Genau genommen wären es lediglich zwei, denn eine Strategie wird mehr oder weniger vom BSV vorgegeben.

Auch das eidgenössische Parlament hat erst im Dezember 2015 grünes Licht für eine liberale Richtung bei 1e-Plänen gegeben und die letzten Restgarantien im Bereich der freien Anlagestrategiewahl aufgehoben. Von einer Reduktion der Anlagestrategien war dabei nie die Rede. Mit diesem Verordnungsvorschlag schiesst das BSV klar über das Ziel hinaus und auch die Kommunikationsweise war erneut bedenklich.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im NZZ Artikel vom 19. August 2016 „Vorsorge-Sparpläne im Kreuzfeuer der Kritik“.

Fintech: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Blog_PZ_2Die explosive Verbreitung von Fintech trifft auch im Vorsorgebereich auf Nachahmer. Sie erlaubt es jedermann, Finanztransaktionen zu tätigen, ohne die Beratung eines Finanzdienstleisters in Anspruch zu nehmen. Insbesondere zeigt sich das Potenzial in flexibleren und freieren Sektoren wie der Kadervorsorge oder der Säule 3a. Versicherte, die einen solchen Vertrag abschliessen, können ihre Anlagestrategie frei und individuell wählen. Die Entwicklung von Computergesteuerten Vermögensverwaltungs-Programmen kommt diesem Anspruch nach Flexibilität entgegen. Nur wenige Klicks genügen, um beispielsweise eine Strategie mit einem konservativen, ausgeglichenen oder profit-orientierten Profil zu wählen. Umso mehr wird mit dieser Technologie ein internet-affines Publikum des Typs „jüngeres Kader“ oder „Unternehmer“ angesprochen. Jene vor allem, die erst über die finanziellen Mittel verfügen, um in eine begrenzte Anzahl Fonds zu investieren.

Was passiert aber, wenn ein Vorsorgeinhaber, der bereits mehrere hunderttausend Franken besitzt, sich mit dem Alter die Fragen eines Einkaufs, einer Frühpensionierung oder einer Auswanderung aus der Schweiz stellt? Oder wenn der Hauseigentümer mit seinem Kapital Hypotheken amortisieren möchte? Kurzum, auch wenn die Vorteile der Informationstechnologien unbestritten sind und sie das Leben vieler Versicherter vereinfachen, ist häufig persönlicher Rat aus Expertenhand gefragt, um mögliche Risiken von Fehlentscheiden und Verluste zu verhindern. In einer Zeit, in der viele relativ standardisierte Aufgaben in Wirtschaftsbereichen automatisiert worden sind, ist der Mensch einem Roboter stets einen Schritt voraus. Dann nämlich, wenn auf komplexe menschliche Bedürfnisse geantwortet werden muss – ziemlich beruhigend irgendwie.