Seit 1990 sanken die Nominalzinsen in der Schweiz von knapp 7% auf noch knapp 0%. Dank den Zinssenkungen wurden auf den Obligationen markante Kursgewinne verbucht. Probleme entstehen, wenn die Zinsen sich nicht mehr bewegen und auf diesem Niveau verharren. Nach unten können sie kaum mehr, eher nach oben. Steigende Zinsen führen aber bei Festzinspapieren zu Kurseinbussen. Entscheidend ist in dieser Phase ein aktives Zinsrisikomanagement, meinte Dr. Alfred Bühler von PPCmetrics kürzlich an der BVG-Arena der Innovation Zweite Säule in Bern. Doch auch so dürfte es in den nächsten 10 Jahren schwierig sein, mit Schweizer Obligationen eine Rendite von mehr als 1% zu erwirtschaften. Ausgleich können Mehrerträge risikobehafteter Anlagen bieten, wobei auch deren Renditeerwartungen gedrückt sind. Bühler räumt ein, dass solide Pensionskassen mit gesunder Altersstruktur durchaus höhere Anlagerisiken eingehen können. Doch muss der Risikotransfer transparent aufgezeigt und im Auge behalten werden. Nur schon der transparente Ausweis des ökonomischen Deckungsgrads (Finanzielle Sicherheit) sowie des risikotragenden Deckungsgrad (Belastung der Risikoträger) würde das Problemverständnis bei den Vorsorgeeinrichtungen schärfen und die Problematik des Risikotransfers aufzeigen.

Auch Ernst Rätzer, eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte, meinte an der Veranstaltung, dass steigende Nominalzinsen verkraftbar seien. Demnach wurden in der Vergangenheit nach allen signifikanten Zinswenden nach oben seit den 30er-Jahren in den fünf Folgejahren deutlich positive Obligationenrenten erzielt. Mit Ausnahme der 60er-Jahre gelte dies auch für die Aktienrenditen. In den nächsten 3 bis 5 Jahren können somit Renditen im Rahmen der Mittelwerte der bisherigen Zinstrendwechsel erwartet werden, natürlich auf dem entsprechend tieferen Ausgangs-Zinsniveaus.

Entlastend wirkt ausserdem die tiefe Teuerung, was meiner Meinung nach zu wenig beachtet wird. 2015 ergab sich sogar eine negative Teuerung von 1,1%! Real gesehen dürften die Zinsen also positiv bleiben, womit die Kaufkraft der Vorsorgevermögen gewahrt bleibt.

Es sind denn auch nicht die Marktzinsen, welche das Gleichgewicht unserer beruflichen Vorsorge gefährden, sondern die politisch bestimmten Berechnungsparameter. So werden der BVG-Mindestzinssatz und insbesondere der technische Zinssatz schon seit Jahren zu hoch angesetzt. Systemstörend wirkt aber auch der Umwandlungssatz für das obligatorische BVG-Guthaben, der nach wie vor viel zu hoch ist. Davon profitieren zurzeit die Altersentner, die zu hohe Renten beziehen. Diese Kosten müssen die Erwerbstätigen mit höheren Risikobeiträgen oder mit systemfremden Umverteilungen finanzieren. Das ist auf Dauer untragbar und muss so rasch wie möglich geändert werden.

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