Steuerfallen bei der Kadervorsorge und Vorsorgeausgleich im Scheidungsfall

Lazzarini Mario 2011Die grosszügige Gewährung von steuerlichen Anreize führen zu einem starken Ausbau der Kadervorsorge. Die Ausschöpfung dieser legitimen steuerlichen Anreize ist  völlig legitim, doch müssen bestimmte Grenzen bzw. Regeln strikt eingehalten werden. Denn sonst zeigen die Steuerbehörden schnell die rote Karte, was unangenehme und oft teure Folgen haben kann. Gerade Kleinunternehmen, die von einem oder wenigen Aktionären kontrolliert werden, und wenig Erfahrung mit Vorsorgesystemen haben, laufen Gefahr, in Vorsorgefallen zu tappen. Wichtig ist, dass die Vorsorgepläne Arbeitnehmeraktionäre und Nahestehende gegenüber an der Gesellschaft nicht beteiligten Mitarbeiter nicht bevorzugen. Bei der Gestaltung der Kadervorsorge gilt es, das Prinzip der Kollektivität, der Gleichbehandlung sowie der Planmässigkeit einzuhalten. Andernfalls vermuten die Steuerbehörden eine verdeckte Gewinnausschüttung, was in der Folge die angestrebten steuerlichen Einsparungen mehr als zunichte machen kann.

Auch in Spezialsituationen wie Trennung und Scheidung müssen bei der Steuerplanung bestimmte Regeln eingehalten werden. In solchen Fällen werden die Pensionskassenvermögen der beiden Ex-Eheleute geteilt, wobei in der Regel beim ausgleichspflichtigen Partner eine sogenannte Scheidungslücke entsteht. Diese darf er auffüllen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen ohne dass die dreijährige Kapitalbezugssperre eingehalten werden muss. So wies Samuel Görner, juristischer Mitarbeiter von der Eidg. Steuerverwaltung, bei einem kürzlichen Anlass von PensExpert darauf hin, dass zuerst die Scheidungslücke geschlossen werden muss, bevor allfällige reguläre Einkäufe getätigt werden. Der Versicherte kann also nicht frei wählen, ob er zuerst die regulären Einkaufslücken oder die Scheidungslücke füllt. Ähnliche Regeln gelten auch beim Vorbezug einer Wohneigentumsförderung (WEF). Auch hier muss zuerst der WEF-Vorbezug zurückbezahlt werden, bevor ordentliche, vom steuerbaren Einkommen absetzbare  Einkäufe getätigt werden. Scheidungslücken hingegen dürfen auch steuerwirksam geschlossen werden wenn ein WEF-Vorbezug besteht.

Optimierung der Anlagestrategie

Mark.HuberZurzeit sollten Obligationen angesichts der tiefen Renditen sowie der Kursrisiken im Portfolio möglichst tief gewichtet werden. Dies ist auch im Vorsorgedepot trotz der strengen BVV2-Vorschriften machbar. Hier mein Musterportfolio: 40% werden in Aktien mit möglichst hohen Dividenden investiert, 10% in Alternativen Anlagen, 20% in Immobilienfonds und lediglich 20% in Obligationen. Maximal 10% können neuerdings in eine Eigenhypothek investiert werden. Dabei handelt es sich um eine vom Gesetzgeber erlaubte Optimierungsmöglichkeit bei der Bewirtschaftung der Vorsorgegelder. Der Schuldzins wird dem Versicherten in Rechnung gestellt und steuerlich als normaler Kredit- bzw. Liegenschaftenaufwand behandelt. Beim Vorsorgedepot des Versicherten fliesst dieser einbezahlte Zins als steuer-freier Ertrag zu. Ausserdem kann die Fremdwährungslimite von 30% ausgeschöpft werden. Wie Dr. Felix Brill, Chefökonom und Partner Wellershoff & Partners Ltd. am Seminar von PensExpert ausführte, könnte sich der Franken nach der Aufgabe der Eurobindung wieder normalisieren. Seiner Meinung nach dürfte der Franken in ein bis zwei Jahren zum Euro wieder gegen 1.20 tendieren. Für den Euro spricht die Tatsache, dass sich die Konjunkturstimmung in der Eurozone hebt und die Wirtschaft scheinbar anzieht. Eurolandaktien sollten davon ebenfalls profitieren.

Ausbildungsbedarf in der Vorsorgewelt

Die Vorsorgeplanung wird immer kniffliger. Nicht nur wegen der sinkenden Renditeerwartungen und steigenden Risiken an den Kapitalmärkten. Auch wegen der wachsenden Regulierungsdichte und der damit steigenden Komplexität. Immer mehr Vorsorgekunden sind überfordert und benötigen Beratung. Die Ansprüche an die Vorsorgeberater steigen. Um ihre Kunden stets kompetent zu unterstützen, müssen sie sich noch mehr auf dem Laufenden halten und sich weiterbilden. Dies zeigt sich denn auch an den regelmässig durchgeführten Seminaren von PensExpert, an denen ausgewiesene Vorsorge-, Anlage- und Steuerexperten aktuelle Probleme und Fallbeispiele präsentieren und diskutieren. In diesem Jahr konnten als externe Referenten Dr. Felix Brill, Chefökonom und Partner Wellershoff & Partners sowie Samuel Görner, juristischer Mitarbeiter der Eidgenössischen Steuerverwaltung gewonnen werden. Allein die Anlässe in Luzern, Zürich und Basel wurden von insgesamt rund 200 Vorsorgeprofis besucht. Im Herbst Anlass in Lausanne werden weitere 100 Spezialisten erwartet. Der Andrang zeigt, dass derartige Veranstaltungen einen bedeutenden Mehrwert bringen. Wir werden deshalb unser Informationsangebot verstärkt pflegen und noch ausbauen. Neben den Seminaren, unserem Newsletter PensCheck und der Website informieren wir Sie neu auch auf diesem Blog. Hier schalten wir regelmässig News und Meinungen von Experten aus unserem Haus sowie dem breiteren Netzwerk auf. Wir wünschen Ihnen viel Spass bei der Lektüre und nehmen von Ihnen gerne Anregungen, aber auch konstruktive Kritik entgegen.